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Mitten in Bayern:Söders Kavallerie hat nur 62 Pferde

...und nicht 200. Ziel verfehlt?

Glosse von Johann Osel

Markus Söder ließ sich wieder mal aus der Hand fressen an jenem Tag, von Pferden wohlgemerkt. Vielleicht war es ja ein gewisser Henrico, der sich beim Ministerpräsidenten die Belohnung abschleckte, mit ihm hatte Söder zuvor fürs Foto posiert. Artig jedenfalls folgte das Tier bei Übungen dann der weiß-blauen Bayernfahne. Bei Söders Besuch der Reiterstaffel der Münchner Polizei im Juni 2018 ging es um die "bayerische Kavallerie". So hatte er in einer Regierungserklärung das Projekt genannt, umzusetzen binnen zwei Jahren: eine Reiterstaffel für jede Großstadt, 200 Pferde insgesamt, 30 Augsburg, 20 in Regensburg, Würzburg und Ingolstadt. "Pferde haben eine natürliche Autorität", sagte Söder qua natürlicher Autorität; vor allem aber brächten sie Sichtbarkeit von Beamten, allein schon über die Position im Sattel, und steigerten bei Großveranstaltungen, Fußballspielen, Demos oder in Parks das Sicherheitsgefühl der Bürger. Man erinnert sich so gut an die Kavallerie, weil sie in jüngster Zeit dutzendfach zitiert wurde, in kaum einem der vielen Söder-Porträts im Zuge der K-Debatte fehlte sie.

Ross und Reiter nennen - so ließe sich der Zweck einer schriftlichen Anfrage der Grünen bezeichnen. Fraktionschefin Katharina Schulze wollte alles zu den Rössern wissen. Berittene Einheiten gibt es demnach an drei Standorten, München, Nürnberg und Tuntenhausen in Oberbayern - nur der mittelfränkische Stall ist neu seit 2018. Auch sind 62 Pferde im Dienst und nicht 200, seit der Ankündigung wurden 36 neue angeschafft. Voll einsatzfähig sind weniger - was auch daran liegt, dass durch die Pandemie Veranstaltungen zur Fortbildung und "Heranführung" neuer Pferde weggefallen sind.

Ziele verfehlt? Diesen Reitstiefel zieht sich die Staatsregierung nicht an: Einerseits kamen die 200er-Pläne in der CSU-Regierung auf, der Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern hat dann die Zahl auf 100 Pferde gesenkt; zudem wollte man sich auf die drei Standorte "fokussieren", andere Präsidien könnten berittene Streifen anfordern. Auch ist eine Aufstockung geplant. Schulze ist verärgert: Seit 2018 habe das Ganze gut vier Millionen Euro gekostet. "Anstatt Kavalleriesymbolpolitik braucht es sinnvolle und umfangreiche Investitionen in Polizeiarbeit" - etwa für mehr Cyber-Cops, auf zwei Beinen.

© SZ vom 28.04.2021
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