Mitten in Bayern Risikogeistlicher für Christsoziale

Wenn es um Klimaschutz und Flüchtlinge geht, dann nimmt Laufens Stadtpfarrer Simon Eibl kein Blatt vor den Mund - auch nicht bei offiziellen Veranstaltungen. Sehr zum Unwillen der CSU-Prominenz, wie der Agrarministerin Michaela Kaniber. Doch der Geistliche lässt sich den Mund nicht verbieten

Kolumne von Matthias Köpf

Am Eingang zum Multifunktionsraum sollen nicht nur Brot und Salz gelegen haben, sondern auch Engel und Osterhasen aus Schokolade. Es sei auch wie "Weihnachten und Ostern zugleich" zitiert die Lokalzeitung den Leiter der Polizeiinspektion Laufen, deren neues Gebäude an jenem Tag eingeweiht wurde. Wo zwei christliche Hochfeste so aufeinandertreffen, da darf die Geistlichkeit nicht fehlen, die zum Einweihen sowieso gebraucht wird. Nur besteht im oberbayerischen Laufen der katholische Teil der Geistlichkeit zuvorderst aus Stadtpfarrer Simon Eibl - und Eibl muss speziell für Vertreter der bayerischen Staatsregierung als eine Art Risikogeistlicher gelten.

Denn Eibl versteht sich bei geistlichen wie weltlichen Anlässen zwar sehr aufs Witzeerzählen, aber in manchen Fragen von Moral und Politik hört der Spaß für ihn definitiv auf. Beim Klimaschutz und beim Umgang mit Flüchtlingen zum Beispiel. Und so hat sich Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die dort im Berchtesgadener Land CSU-Kreisvorsitzende ist, schon öfter zu bissigen Bemerkungen Richtung Eibl hinreißen lassen. Etwa beim Biosphärentag im August, als Eibl im Gebet die Flüchtlingspolitik gegeißelt hatte. Oder bei der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses: "Kritische Geister haben bei so einem Fest nichts zu suchen", wird die Ministerin von der Feuerwehr selbst zitiert - dabei habe Eibl "lediglich darauf hingewiesen, dass in dem Haus Steuergelder steckten, auch seine".

In der Inspektion stecken auch welche, aber Eibl hatte an dem Tag ein anderes Thema: Bei ihm bekämen auch Wirtschaftsflüchtlinge Asyl, bis es die Politiker schafften, die Fluchtursachen zu beseitigen, kanzelte er Kaniber und Innenminister Joachim Herrmann laut dem Onlineportal bgland24 ab. Wer Boote zur Rettung von Flüchtlingen nicht auslaufen lasse, dem hat Eibl demnach dies zugedacht: "Zwei Wochen Sonderurlaub in Flüchtlingslagern, zwei Wochen treiben auf dem Mittelmeer in einem absolut überfüllten Boot, oder zwei Wochen in einem Land leben, in dem der Klimawandel heute schon Tausende Opfer fordert." Der Bürgermeister stichelte dann noch, dass die Stadt vieles vollendet habe, bis der Staat mit der Inspektion fertig wurde. Manche werden froh sein, wenn es in Laufen so bald nichts mehr einzuweihen gibt.