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Mitten in Bayern:Katholische Fusion

Im Bistum Passau schließen sich zwei ehrwürdige Publikationen zusammen

Zeitungen rühmen sich ja gerne, sie hätten dieses oder jenes exklusiv. Zudem können Abonnenten für die Vermittlung von ihresgleichen angeblich ebenfalls exklusive Belohnungen wie Hartschalen-Koffersets oder Akkubohrschrauber erwarten. Treueprämien noch über den Tod hinaus sind dagegen wirklich eine Seltenheit. Wahrscheinlich darf der Altöttinger Liebfrauenbote mit einigem Recht behaupten, er habe da auch mal was ganz exklusiv: Denn für alle seine lebenden und verstorbenen Leser und Abonnenten wird einmal im Monat in der Altöttinger Gnadenkapelle eine Heilige Messe gelesen. Und der Liebfrauenbote macht da bei der Messe gar keinen Unterschied, weder zwischen Lesern und Abonnenten, noch zwischen Lebenden und Toten. Nur sind die toten Abonnenten leider auch beim Liebfrauenboten klar in der Überzahl, was weiter kein Wunder ist, denn es gibt ihn ja schon seit mehr als 120 Jahren. Im Jahre des Herrn 2022 jedoch soll er nun mit dem Passauer Bistumsblatt fusioniert werden.

Das hat am Dienstag das Bistum Passau mitgeteilt, und die Katholische Nachrichtenagentur hat es gleich gemeldet. Das Bistum übernimmt demnach zum Jahreswechsel die alleinige Herausgeberschaft des Liebfrauenboten. Bisher war da neben der Bischöflichen Administration der Kapellstiftung in Altötting noch die dortige Marianische Männerkongregation im Boot, die das mit der monatlichen Messe für die "Botengemeinschaft" aus lebenden und toten Lesern und Abonnenten auf ihrer Homepage zugesagt hat. Aber auch das kann das Bistum dann ganz gut alleine übernehmen, denn beim Messelesen sitzt es ja quasi an der Quelle.

Während andere Erscheinungen den Gläubigen selbst im Marienwallfahrtsort Altötting eher unregelmäßig zuteil werden, kommt der Liebfrauenbote sehr zuverlässig jeden Sonntag, und zwar zuletzt in einer Auflage von 7400 Exemplaren, rund 2000 weniger als das ebenfalls sonntags erscheinende Bistumsblatt. Trotzdem sollte das für 2022 angekündigte "gemeinsame Abo-Printprodukt" dann nicht "Bistumsblatt" heißen, sondern lieber "Liebfrauenbote". Denn erstens ist Passau aus Sicht eines Wallfahrtsorts von Weltgeltung ja doch bloß ein zweitrangiges Provinzbistum. Und zweitens wäre es einfach zu schade um den Namen.