Mitten in BayernZweite Kasse, owa Dschenniffa!

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Für viel beschäftigte Rentnerinnen und Rentner ein echter Graus: vor der Kasse in eine Warteschlange geraten.
Für viel beschäftigte Rentnerinnen und Rentner ein echter Graus: vor der Kasse in eine Warteschlange geraten. (Foto: Markus Weissenfels/Imago)

Im Supermarkt, am Würstlstand und auf dem Fußballplatz – überall herrschen Zeitdruck, Nervosität und Ungeduld. Allen, denen es nicht schnell genug gehen kann, sei empfohlen: Probiert es mal mit Jennifer.

Glosse von Hans Kratzer

Der beliebte Rentnergruß („hab keine Zeit!“) lässt erahnen, dass selbst im Ruhestand keine Ruhe einkehrt. In der Tat: Ständig ist etwas zu erledigen, weshalb auch Ruheständler gestresst sind und die Geduld verlieren, wenn sie beim Einkaufen an der Kasse in eine Warteschlange geraten.

In den Supermärkten läuft nicht mehr alles so geschmiert wie früher. Wegen Personalmangels ist oft nur eine Kasse geöffnet, früher waren es drei. Aus nämlichem Grund hatte sich neulich in einem Lebensmittelmarkt im oberbayerischen Dorfen eine Schlange gebildet, in der es plötzlich laut wurde. „Zweite Kasse, zweite Kaassse!“, plärrte ein älterer Herr, der den Eindruck erweckte, er befinde sich in größter Hatz und Eile. 

Das Stichwort „zweite Kasse“ rief sogleich die Fußballer aus den Amateurgefilden ins Gedächtnis, die ebenfalls eine Schwäche für Ordinalzahlen haben. Wobei ihnen die „zweite Kasse“ weniger bedeutet als der „zweite Ball“. Das hängt wohl damit zusammen, dass in der Kreisklasse das Stoppen des Balls wegen Gelenksteifigkeit häufig misslingt und die Spieler lautstark ermuntert werden müssen, nach dem Verlust des ersten wenigstens den zweiten Ball zu erobern.

Zweite Kasse, zweiter Ball, und schon sind wir beim dritten Mann, also bei jenem Thriller von 1949, in dem Orson Welles die Titelfigur mimt und eine wilde Verfolgungsjagd durch die Kanalisation von Wien den Atem stocken lässt. In Wien wird deutschen Gästen gerne weisgemacht, sie sollten am Würstlstand zur Eitrigen (Käsekrainer) ein 16er-Blech bestellen, also eine Dose Ottakringer Bier (Ottakring im 16. Wiener Gemeindebezirk). Die Bestellung geht manchmal einher mit der Bemerkung „owa Dschenniffa“ („aber Jennifer!“, in Anlehnung an die US-Sängerin Jennifer Rush). Die Wiener Autorin Andrea Maria Dusl sagt, mit Dschenniffa brächten ihre Landsleute zum Ausdruck, dass etwas rasch zu geschehen habe.

Würde das auch im bayerischen Supermarkt funktioneren? „Hallo, zweite Kasse, ich will zahlen, owa Dschenniffa!“ Das hätte Stil, aber leider besagt eine alte Weisheit, Österreich und Deutschland unterschieden sich vor allem durch ihre gemeinsame Sprache.

Nachdem der ungeduldige Rentner aus der Warteschlange endlich gezahlt hatte, verweilte er mit seinem Einkaufswagerl noch eine ganze Weile am Ausgang, wo er absolut keine Eile mehr verspürte und sehr entspannt den Lauf der Welt verfolgte. Drinnen wurde die zweite Kasse geöffnet. 

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