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Mitten in Bayern:H₂O₂ für den Jäger

Zielgruppenorientierte Politik gilt als ein Rezept für Erfolg. Da ist es doch logisch, dass sich die Freien Wähler für einen Zugang zu Wasserstoffperoxid starkmachen

Pressemitteilungen legen gerne nahe, man bereite ob ihrer Tragweite besser einen Eintrag in die Geschichtsbücher vor. Positionen werden da auf ganzer Linie bestätigt, Durchbrüche gefeiert, Triumphe angebahnt. Auch die Freien Wähler konnten dieser Tage ein solches Ereignis vermelden, nämlich einen "Etappensieg": die Annahme eines Antrags im Landwirtschaftsausschuss, Jägern Zugang zu Wasserstoffperoxid zu ermöglichen. Das muss man in der Tat sacken lassen.

Den Meisten dürfte die Chemikalie als Frisuren-Aufheller bekannt sein. Wer glaubt, die Jäger unter den Freien Wählern wollten mit neuem Ton in der Koalition Akzente setzen, wird enttäuscht sein: Chef Hubert Aiwanger scheint sich nicht das Haar färben zu wollen. Auch beim Ansitzen trüge Blond kaum zur Tarnung bei. Vielmehr stehen Jäger "seit der bundesweiten Änderung der Gefahrstoffverordnung" vor einem Dilemma. So beschreibt es Nikolaus Kraus, jagdpolitischer Sprecher der Partei. Einerseits seien die Jäger in Bayern verpflichtet, "die Trophäen für die Vorlage auf Trophäenschauen sauber und rückstandslos zu präparieren". Andererseits sei dafür eine 30 Prozent starke Wasserstoffperoxidlösung nötig. "Private Jäger dürfen jedoch nur Lösungen mit maximal zwölf Prozent H₂O₂ erwerben." Für mehr Prozente braucht es einen Gewerbeschein. Noch. Also vielleicht. Denn nun wolle sich die Staatsregierung auf Bundesebene "verstärkt" dafür einsetzen, dass es Personen mit gültigem Jagdschein wieder erlaubt werde, "Wasserstoffperoxid mit einer Konzentration von bis zu 30 Prozent für die Präparation von Jagdtrophäen zu kaufen". So endet der Etappensieg, nach dem erst mal alles bleibt, wie es war. Keinen Platz fand, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Hegeschauen, auf denen Jäger die Geweihe erlegter Tiere präsentieren müssen, als archaisches Ritual eh umstritten sind.

Für den weiteren Triumph wäre wichtig, dass Positionsbestätigungen zum Durchbruch auf ganzer Linie führten. Spätestens der wird schließlich aufgeschrieben, wenn nicht ins Geschichts-, dann ins Gesetzbuch. Vielleicht ist die Sache den Kollegen in Berlin aber auch wurscht. Viele Bundesländer haben das Problem auf ihre Weise gelöst. Sie haben die Pflicht zur Hegeschau abgeschafft.