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Mitten in Bayern:Grenzverkehr per Einbahnstraße

Burghausen will seine Altstadt entlasten und deswegen aus der alten Grenzbrücke eine Einbahnstraße machen. Die Österreicher auf der anderen Seite des Flusses sagen allerdings Stop. Nun dreht sich die Debatte in allerlei Richtungen

Kolumne von Matthias Köpf

Es gibt ziemlich viel, was angeblich keine Einbahnstraße ist. Integration sei keine Einbahnstraße, heißt es zum Beispiel in letzter Zeit ziemlich oft. Kommunikation sei ebenfalls keine, Respekt auch nicht, Toleranz ebenso wenig - und auch die Liebe, das Leben, die Demokratie, wertschätzende Führung, die Partnerschaft in der globalen Wissenskommunikation, sogar Diabetes: alles keine Einbahnstraßen. Die alte Grenzbrücke in Burghausen ist auch keine, aber immerhin das soll sich bald ändern. Egal, was die Österreicher davon halten.

Die besagte Brücke ist deshalb die alte Grenzbrücke, weil es ungefähr einen Kilometer salzachaufwärts noch eine neuere gibt, was die Sache etwas einfacher macht. Aber eine Grenzbrücke ist sie halt immer noch, und da stellt sich schon die Frage, ob sie den Autos jetzt nur für die Einreise oder nur für die Ausreise zur Verfügung stehen soll. Und zur Sicherheit müsste noch geklärt werden, ob Ein- oder Ausreise jetzt von Deutschland oder von Österreich aus, denn die Standpunkte sind in der Frage ja sehr verschieden.

Burghausens Bürgermeister Florian Schneider jedenfalls will die Brücke zur Einbahnstraße machen, um zumindest einen Teil des Grenzverkehrs aus seiner schönen Altstadt zu bekommen. Drüben die Österreicher wollen davon aber nichts wissen, weil das wiederum auf ihrer Uferstraße gewisse Verkehrsprobleme nach sich ziehen würde. Dass die Österreicher nicht mitmachen, nimmt den Burghausern aber immerhin die Richtungsentscheidung ab. Denn sollten die Autos nur von Burghausen hinüber fahren dürfen, so müsste auf der österreichischen Seite ein VZ 267 stehen, also ein "Verbot der Einfahrt", der rote Kreis mit dem weißen Querbalken. In Österreich müsste das Schild offiziell "§ 52/2 - Einfahrt verboten" heißen, aber das ist jetzt auch egal, denn die wollen es ja eh nicht aufstellen.

Also bleibt den Burghausern nur, die Autos von dort zu sich herüberfahren zu lassen und selber ein VZ 267 aufzustellen. Dann wäre in Fahrtrichtung Deutschland bis zur Mitte von Fluss und Brücke alles wie gehabt, und ab da gäbe es 50 Meter Einbahnstraße bis ans Ufer oder besser gleich die 140 Meter bis zum Stadtplatz. Zum Wenden ist die Brücke sowieso zu schmal. Und ansonsten gilt: Selbst eine Einbahnstraße ist keine Einbahnstraße.

© SZ vom 28.09.2020

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