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Mitten in Bayern:Fremdeln mit der Hochkultur

In Garmisch-Partenkirchen ist man dem Musischen im Grundsatz schon eher zugeneigt - wenn es nicht alles immer so teuer wäre

Kolumne von Sabine Reithmaier

Noch öfter die Alpensinfonie, am besten vor einem gewittrigen Bergpanorama und gespielt von den "begnadeten Musiker" des Orts - die Verkleinerungspläne, die Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) für das Richard-Strauss-Festival nach dem Abgang des künstlerischen Leiters Alexander Liebreich skizziert hat, stimmen nicht besonders hoffnungsfroh. Zwar hat man in Garmisch-Partenkirchen keine grundsätzlichen Einwände gegen Hochkultur, aber es ist halt ungeschickt, dass sie immer so viel Geld kostet. Jedenfalls im Vergleich zum Werdenfelser Almsingen, zu dem auch viel mehr Leute kommen.

Um nicht ungerecht zu sein: Die Garmisch-Partenkirchner gehen mit Richard Strauss nobel um. Anders als mit Michael Ende, der dort 1929 geboren wurde und später Momo oder Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer erfand. Zwar gab es auch da mal Zeiten, in denen Thomas Schmid, Vorvorgänger der jetzigen Bürgermeisterin, öffentlich von einem wissenschaftlichen Michael-Ende-Zentrum im Kurort träumte. Aber leider war es dem Markt zu teuer, die bereits existierende Dauerausstellung im Kurhaus zu modernisieren. 2017 sperrte man sie zu. Auch die angeblich so hochgeschätzte Michael-Ende-Woche mit Internationalen Symposien und Uraufführungen fand ein jähes Ende. Nur der Park, in dem Ende 1990 persönlich eine Linde pflanzte, erinnert noch an den Schriftsteller.

Hermann Levi (1839 - 1900), einst Hofkapellmeister in München und einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit, brachte es auch nicht zu Park-Ehren. Immerhin rang sich der Markt nach endlosen, peinlichen Diskussionen im Vorjahr dazu durch, das von den Nazis geschändete Grab ihres Ehrenbürgers wieder herzurichten. Eine Umbenennung des Partenkirchner Kurparks in Hermann-Levi-Park lehnte der konservative Teil des Gemeinderats mehrheitlich ab. Man muss ja nicht übertreiben.

So gesehen kann man daran zweifeln, ob Garmisch-Partenkirchen wirklich der richtige Ort für das Richard-Strauss-Festival ist. Wenn 31 Jahre nach der ersten Strauss-Festwoche, die August Everding gestaltete, das Festival für manche im Ort immer noch ein Fremdkörper ist, ist es schon sehr fraglich, ob sich das in den nächsten 30 Jahren ändert.

© SZ vom 05.08.2020
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