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Mitten in Bayern:Externer Beistand für die AfD

Seit der Bundestagswahl 2017 gilt das niederbayerische Deggendorf als AfD-Hochburg. Nun hat die Partei für die Kommunalwahl 2020 einen Brandenburger als OB-Kandidat angeheuert

Ans schöne Deggendorf grenzt der Vordere Bayerische Wald, zur Freude von Wanderern, im Kern liegt die Donaustadt aber nur auf etwa 300 Höhenmetern. Dennoch liefert Google für die Suche "Deggendorf" und "Hochburg" unzählige Treffer. Was an der AfD liegt, die 2017 bei der Bundestagswahl 20 Prozent holte, das beste Ergebnis in Westdeutschland. Das wiederum lag an Katrin Ebner-Steiner, heute Fraktionschefin im Landtag, und ihrem Wahlkampf: gefühlsmäßig zwischen Krawall und Musikantenstadl. Meist trug sie ein Dirndl, einmal eine Burka, um bei einer Rede der Kanzlerin in Passau eine "fortschreitende Islamisierung Bayerns" anzuprangern. Jedenfalls geriet sie zum Medienstar, Deggendorf beherbergte Heerscharen an Reportern. Und auch wenn die Niederbayerin im Landtag, wo sie ein strenges Regiment in ihrer Truppe führt, jetzt eher Hosenanzüge favorisiert, ist das Label der "AfD-Hochburg" für ihre Heimat geblieben.

Nun steht die Kommunalwahl 2020 an und in so einer Hochburg müssten sich ja Kandidaten zuhauf finden, die Oberbürgermeister werden wollen. Offenbar aber nicht - die AfD setzt auf einen Import: Tim Krause aus Brandenburg. Dem Vernehmen meldete er sich just vom Wohnsitz Potsdam nach Deggendorf um, über ihn ist wenig bekannt. Beobachter hatten sich zuletzt gewundert, wer der Typ ist, der bei Aktionen etwa in Landshut am Mikro von einer "Umsiedlungsmaschinerie" sprach. Ein Kontakt zum ominösen Neuling ließ sich zunächst nicht herstellen. Er soll "Medienfachmann" und "Islamexperte" sein. Das klingt laut einem Video so: "Im ganzen Land werden heute Frauen und Mädchen für die Art, wie sie leben wollen, erstochen, erschossen, mit dem Beil erschlagen oder unter Allahu-akbar-Rufen geköpft. Sie werden lebendig in Brand gesteckt, mit Säure verätzt, hinter Autos zu Tode geschleift." Gemeint ist dabei Deutschland, nicht Iran.

In Potsdam verpasste Krause ein Landtagsmandat, trotz des Wahlerfolgs unter Andreas Kalbitz, einem Anführer des völkischen AfD-"Flügels". Dem gehört auch Ebner-Steiner an, so kam wohl die Idee zum Umzug. Ob sich Krause, siehe Dirndl-Wahlkampf, nun eine Lederhose zulegt, ist unklar. Was er lokalpolitisch plant, fragen sich viele Deggendorfer. Und, wieso die Hochburg externen Beistand braucht.

© SZ vom 27.12.2019
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