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Mitten in Bayern:EM an den Ufern der Würz

Zur Europameisterschaft kehrt ein Sportmoderator nach Unterfranken zurück, der dort vor einigen Jahren eine Art geografische Revolution ausgelöst hat. Es ist aber auch einfach schön, dort an der Würz

Glosse von Olaf Przybilla

Das Schönste an Veitshöchheim-Zentrum ist ja der kurze Weg durch die altfränkischen Gassen hin ans Ufer der wunderbaren Würz. Die entspringt im Fichtelgebirge als Weiße Würz und in der Fränkischen Alb als Rote Würz, beide Arme vereinigen sich am westlichen Rand Kulmbachs zum europäischen Strom namens Würz, bevor dieser in weiten Bögen über Schweinfurt, Kitzingen bis nach Aschaffenburg mäandert und von dort weiter nach Frankfurt und Wiesbaden. So malerisch aber wie an der Promenade Veitshöchheims kann man selten irgendwo an den Gestaden der Würz flanieren - und in einem der Fischlokale herzhaften Lokalspezialitäten zusprechen: den berühmten Würzfischli.

Nie gehört? Macht nichts, aber zu den gewohnheitsmäßigen Konsumenten des ARD-Morgenmagazins wird man sich dann wohl nicht rechnen dürfen. Als dort vor drei Jahren von der Alten Mainbrücke in Würzburg die Rede ging, kasperte das Moderatorenteam ein wenig herum, bevor sich Peter Großmann - hauptberuflich Sportmoderator - vor die Frage gestellt sah, an welchem Fluss eigentlich dieses Würzburg liege. Der antwortete flüssig: "An der Würz wahrscheinlich."

Es ist gar nicht übertrieben, dass sich der Mann damit ins neuzeitliche Gedächtnis einer alten Unistadt eingebrannt hat. Stadt-Land-Würz-Spiele wurden kreiert, zwischenzeitlich sollte gar ein Teilstück des großen fränkischen Fließgewässers förmlich umbenannt werden ihm zu Ehren. Und an diesem Freitag wird Großmann nun endlich letzte geografische Recherchen vor Ort einholen dürfen, wenige Kilometer würzabwärts von der Alten Mainbrücke entfernt, in Veitshöchheim.

Während der WM 2014 kam das Morgenmagazin aus "Brasilien" (an der Ostsee), während der WM 2018 aus "Rußland" (in Ostfriesland) und für die paneuropäische EM geht's nun zum Mittelpunkt Europas, nach Gadheim, Ortsteil Veitshöchheims. Für Großmann wird das eine Begegnung mit alten Unbekannten, für die Veitshöchheimer darf's als Trostpflaster gelten. Die wurden vor elf Monaten zum Herzen Europas erkoren, an eine Riesensause war gedacht, aber gekümmert hat der Akt am Ende kaum einen. In der Pandemie wollte nicht einmal der berüchtigste Mittelpunkt-Maniac Bayerns mitfeiern, der Ministerpräsident.

© SZ vom 10.06.2021
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