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Mitten in Bayern:Der Stau vor dem Stau

Vor Prüfungen müssten sich Schüler zurzeit nicht fürchten - erst soll wieder Normalbetrieb einkehren in den Schulen. In den Fahrschulen hingegen würden viele gerne endlich eine Prüfung ablegen. Und nicht nur, weil das Auto auf dem Land jede Prüfung wert ist

Glosse von Matthias Köpf

Den Schülern, so sie denn schon jetzt oder irgendwann demnächst wieder wirklich in die Schule gehen dürfen, wird von allen Seiten versichert, dass sie dort erst einmal wieder im Präsenzbetrieb ankommen sollen und zunächst von allen Leistungsnachweisen verschont würden. Prüfungen gebe es nicht so schnell, keine Sorge, heißt es aus den Direktoraten. Prüfungen sind ja auch nicht das Ziel der Übung, schließlich lernen wir alle schon seit den alten Römern angeblich nicht für die Schule, sondern fürs Leben. Die wahre Schule fürs Leben ist für viele Heranwachsende im und vor allem auf dem Land aber immer noch eine ganz andere, und da kann es ihnen mit der Prüfung gar nicht schnell genug gehen. Doch die Sache ist zähflüssig.

Aber in Bayerns Fahrschulen darf ja seit dieser Woche wieder praktisch unterrichtet werden - "einschließlich der Fahrschulprüfungen", wie die Staatsregierung dazu verlautbart hat. Theorieunterricht ist schon etwas länger möglich, seit Montag aber auch wieder direkt in der Fahrschule und nicht nur online. Doch viele Fahrschüler haben die Theorieprüfung sowieso längst in der Tasche, nur auf die praktische mussten sie wegen des Corona-Lockdowns eben ein paar Wochen oder gar Monate warten, je nachdem. Und jetzt, wo es wieder ginge, würden sie am liebsten alle gleich und auf einmal antreten, sodass der TÜV mit dem Prüfen nicht mehr nachkommt. Dabei stünden sogar mehr Prüfer bereit, und das sogar samstags, heißt es vom Landesverband Bayerischer Fahrlehrer. Doch dummerweise ist zum Jahresbeginn eine lange vor der Pandemie beschlossene Änderung wirksam geworden, der zufolge die Fahrprüfung jetzt 55 statt 45 Minuten dauern muss, weshalb ein einzelner Prüfer nur noch neun Prüfungen pro Tag abnehmen kann statt zwölf wie zuvor. Da sei also schon ein gewisser Überhang entstanden, bilanziert der Verband der Fahrlehrer. Die wollen ihren Schülern schon deswegen möglichst schnell zum Führerschein verhelfen, weil schon die nächsten Schüler warten und bei den geltenden Abstandsregeln sowieso um zwei Drittel weniger in den Unterrichtsraum passen.

Die wartenden Fahrschüler jedenfalls haben für ihr zukünftiges automobiles Leben zumindest schon mal eins gelernt: im Stau stehen.

© SZ vom 25.02.2021
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