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Mitten in Bayern:Der Mann im Mond hat Empfang

Schwarze Löcher, weiße Flecken - es gibt schöne Umschreibungen dafür, dass es im Freistaat noch immer reichlich Menschen gibt, die frustriert auf ihr Handydisplay schauen und einfach kein Netz entdecken. Doch vielleicht naht nun Hilfe von völlig unerwarteter Seite

Kolumne von Maximilian Gerl

Womöglich blicken bayerische Handynutzer - und von denen gibt es inzwischen viele - dieser Tage neidisch in den Nachthimmel. Der Mond ist seit jeher Sehnsuchtsort, schon Jules Verne schickte Menschen in einem Geschoss hinauf, andere glaubten, in Furchen und Kratern Ruinen vergangener Zivilisationen zu entdecken. Was den Mond allerdings heutzutage für manche Bayern besonders sehnsuchtsvoll machen könnte, ist die Aussicht auf guten Handyempfang. Kein Witz: Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat den finnischen Technologiekonzern Nokia damit beauftragt, innerhalb der kommenden zwei Jahre ein LTE-Netz auf dem Mond zu installieren. Dieses soll so stabil laufen, dass künftige Astronauten auf der Mondoberfläche ihren Lunar Rover fernsteuern, in Echtzeit navigieren und sogar "high definition videos" streamen können. Das wären also schon mal drei Dinge mehr, als zum Beispiel im Oberpfälzer Örtchen Lederdorn möglich sind, wo der Empfang spätestens dann abreißt, wenn man die Umfahrung verlässt, um nach Hause zu kommen. Willkommen im Funkloch.

Und die Lederdorner sind nicht allein. Das Funkloch an sich hätte inzwischen gute Chancen, von der Unesco als immaterielles bayerisches Kulturerbe anerkannt zu werden: So geduldig wartet es vielerorts auf den Masten, der es eigentlich schon längst schließen sollte. Wobei es nicht so ist, dass es nun gar keine Fortschritte gäbe. In Sachen Mobilfunkempfang hat sich tatsächlich bayernweit viel verbessert in den vergangenen Jahren. Trotzdem schreitet der Ausbau bisweilen arg zäh voran. Und so bleibt, während man in Städten und auf Tech-Konferenzen von 5G als neuem Mobilfunkstandard schwärmt, für den ländlichen Raum häufig der schlechte Empfang Standard.

Immerhin, so mögen Großstädter in ihrer Immererreichbarkeit unken, lässt sich über die Leute auf dem Land bald nicht mehr sagen, dass sie hinterm Mond lebten: Dazu müssten sie ja Handyempfang haben. Den Lederdornern und allen Leidensgenossen dagegen ist mit Spott nicht weitergeholfen. Vielleicht will also mal jemand bei Nasa und Nokia nachfragen, ob sie ein ähnliches Erschließungsprogramm auch für Bayern in Angriff nehmen wollen. Sicherheitshalber - so viel Witzelei sei bitte entschuldigt - sollte der Anruf von einem Festnetzanschluss erfolgen. Nicht, dass der Traum vom Empfang noch an selbigem scheitert.

© SZ vom 22.10.2020

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