Mitten in Bayern Der Frust der Naturschützer

Der Wille zu einem dritten Nationalpark in Bayern ist bei Ministerin Ulrike Scharf und auch den Umweltverbänden ungebrochen. Doch mit dem designierten Ministerpräsidenten Markus Söder wird das kein Spaß. Und so geben nicht wenige die Schlacht bereits verloren

Kolumne von Christian Sebald

Natürlich wird Umweltministerin Ulrike Scharf den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder weiter mit aller Kraft bearbeiten, dass Bayern einen dritten Nationalpark bekommt. Das hat sie erst diese Woche in München vor einigen Hundert Naturschützern bekräftigt. Und so unbeirrt wie Scharf bisher für einen dritten Nationalpark im Freistaat gekämpft hat, darf man durchaus annehmen, dass sie das auch in Zukunft tun wird. Die Naturschützer geben ebenfalls nicht auf; erst an diesem Donnerstag haben der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz und die Naturfreunde in Ingolstadt eindringlich für einen Auen-Nationalpark bei Neuburg an der Donau geworben.

In der zweiten Reihe freilich, unter den Beamten im Umweltministerium oder den Experten der Naturschutzverbände, geben inzwischen immer mehr die Schlacht verloren. Der Grund sind die ungebrochenen Ressentiments in der Landtags-CSU gegen den Naturschutz und Söders Verständnisbekundungen dafür. Viele Naturschützer trauern deshalb schon dem ganzen Hirnschmalz und den Überstunden hinterher, die Scharfs Leute in das Projekt investiert haben. Ganz abgesehen von dem Geld aus dem knappen Naturschutz-Etat, das dann in den Sand gesetzt wäre. Außerdem ist die Befürchtung riesengroß, dass auf zig Jahre hinaus alle Träume von einem dritten Nationalpark in Bayern gestorben sind.

Einige wenige indes sehen nicht ganz so schwarz. Sie spekulieren, selbst wenn Söder den aktuellen Nationalparkplänen eine Abfuhr erteilt, werde er auf mittlere Sicht nicht darum herumkommen, einen einzurichten. Denn Söder, der wie kaum einer in der CSU eine Nase für Stimmungen in der Bevölkerung hat, wisse genau, dass er und seine Partei ohne Anstrengungen im Naturschutz auf Dauer selbst bei ganz strammen CSU-Wählern nicht mehr punkten können wie einst. Wenn Söder also vor der Landtagswahl die bisherige Nationalpark-Debatte abräume, werde er in nicht allzu ferner Zukunft Pläne für einen anderen aus der Tasche ziehen müssen. Und das sei dann womöglich wieder ein Nationalpark im Steigerwald, wie er schon vor mehr als zehn Jahren am Anfang der Debatte stand. Bisher scheiterte er am Widerstand der Region. Der aber ist längst nicht mehr so scharf wie einst.