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Mitten in Bayern:Daneben gschissa, liebe "heute-show"

Mit dem Bairischen haben sich schon viele Menschen schwer getan, oft auch im Fernsehen. Ein neues Glanzstück ist gerade dazu gekommen

Glosse von Hans Kratzer

Die ZDF-Sendung "heute-show" ist nach Kräften bemüht, ihre Zuschauer in den Zustand der Heiterkeit zu versetzen. Mal gelingt das mehr, mal weniger. Als Moderator Oliver Welke zuletzt in wohlgeformten Worten über CSU-Chef Markus Söder ablästerte, blendete die Regie im Hintergrund ein Bild ein, auf dem Söder ein mit weißblauen Bändern verziertes Bierfassl anzapft. Darunter prangte in großen Lettern die Bildunterschrift: Oans, zwoa, verschissa!

Verschissa also. Das ZDF hat diese Partizipform vermutlich nach dem Motto "Scheiß da nix, dann feit da nix!" gebildet. Leider ist das Bairische eine Sprache mit vertrackten Regeln. Wer wüsste das besser als das Zweite Deutsche Fernsehen, das oft recht virtuos mit den Varietäten der deutschen Sprache verfährt. Und sie hin und wieder sogar malträtiert wie die Staunzen die Ackergäule. Sehr ausgeprägt war dies in dem Mehrteiler "Tannbach" zu erleben, in dem Zeitgeschichte am Beispiel des fränkisch-thüringischen Dorfes Mödlareuth dargestellt wurde. Allerdings wurde dabei eine Art oberbayerischer Seppl-Dialekt gesprochen.

Dass das Wort verschissa das populäre gsuffa ersetzen soll, ist zwar originell gedacht, aber originell verkehrt. Dass es hier um eine Fremdsprache geht, hat ja Oliver Welke selbst zugegeben. Nachdem die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder im Bundestag einmal kräftig oberpfälzisch parliert hatte, stellte Welke die Diagnose, die Debatte sei "leider nicht durchgehend in deutscher Sprache geführt worden".

In Bayern gibt es ähnlich viele Dialektformen wie Sprachen in New York. Dort sei die häufigste Sprache übrigens nicht Englisch, sondern schlechtes Englisch, sagt der Kabarettist Vince Ebert,der in dieser Stadt gelebt hat. Der Trend zur Verhunzung hat auch die deutsche TV-Sprache erfasst. "Verschissa ist eben nicht gsuffa", sagt der Regensburger Sprachexperte Ludwig Zehetner, der einem einleuchtend erklären kann, dass die bairische Partizip-Endungsform entscheidend davon abhängt, welcher Konsonant vorausgeht. Beim doppelten S folgt meistens ein N, man sagt grissn, bissn, gschissn. Liebe heute-show! Es ist zu verlockend, dir mit Blick auf deine Söder-Anzapf-Bildunterschrift mitzuteilen: Leider daneben gschissa!

© SZ vom 20.04.2021
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