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Mitten in Bayern:CSU-Politiker will viertgrößte Stadt Bayerns gründen

Das Fichtelgebirge als bayerische Metropole - ein CSU-Stadtrat in Wunsiedel kann sich das durchaus vorstellen.

(Foto: imago)

Nach München, Nürnberg und Augsburg würde größenmäßig künftig die "Landstadt Fichtelgebirge" kommen. Warum man im Nordosten Bayerns eine neue Metropole aus der Taufe heben will.

Visionen sind etwas für den Arzt, schon klar. Sie können aber auch ein Mittel sein, um Dinge grundsätzlich neu zu denken. Vor allem dann, wenn die Gesamtsituation als dauerhaft unbefriedigend empfunden wird. Womit man im Norden von Franken wäre.

Dort köchelte in den vergangenen Jahren eine Debatte, von der viele nicht einzuschätzen wussten, ob sie bitterernst gemeint ist oder nur von schrulligen Spaßbrigaden betrieben wird. Ein Verein hatte sich gegründet, der in Thüringen allen Ernstes Unterschriften für ein Volksbegehren sammelte mit dem Ziel, den Altlandkreis Sonneberg gen Bayern zu überführen. Angefangen hatte es mit einem offenen Brief des Vereins, der die Landesregierung Thüringens aufforderte, die fränkischen Wurzeln im Süden des Landes deutlicher anzuerkennen. Der verpuffte, also holte man die Folterwerkzeuge heraus: Unterschriften für einen geordneten Übertritt! Wohlgemerkt: nach Bayern.

In kurzer Zeit sammelten die Vereinsleute fast 1000 Unterschriften, in Erfurt wurde manchem schon ganz anders. Nun aber hat der Verein die Waffen gestreckt. Die juristische Auseinandersetzung darum, ob so ein Wechsel vom Grundgesetz gedeckt ist, stehe man nicht durch. Außerdem habe man ohnehin nie wirklich rübermachen wollen in den fränkischen Westen. Aber Druck ausüben, das schon!

Vielleicht denkt Matthias Popp insgeheim ähnlich. Im persönlichen Gespräch aber lässt der CSU-Stadtrat von Wunsiedel keinen Zweifel daran, dass es ihm bitterernst ist mit seiner Vision. Popp will die viertgrößte Stadt Bayerns aus der Taufe heben. Und er hat offenkundig gewartet, bis der Fasching zu Ende ist, damit die Idee keinen Beigeschmack bekommt.

Also: Geht's nach ihm, so folgt auf München, Nürnberg, Augsburg größenmäßig künftig die "Landstadt Fichtelgebirge", ein Zusammenschluss von 160 000 Einwohnern. Im Fichtelgebirge gibt es zahlreiche Städte, keine aber ist von unübersehbarer Strahlkraft. Würden die sich zusammentun, so Popps Plan, könnte künftig keiner mehr fragen: Hä, eine Hochschule nach Marktredwitz? Schon bei der Kommunalwahl will er in diversen Kommunen mit Listen antreten, bestückt mit den Vorkämpfern für die neue Metropole im Nordosten Bayerns. Und wenn es nicht klappt? Visionen erzeugen Druck.

© SZ vom 20.02.2018/libo

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