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Mitten in Bayern:Blattschuss für den Ruf der Politik

Staatssekretär Roland Weigert möchte Präsident des bayerischen Jagdverbandes werden. Zugleich will er seinen aktuellen Job behalten. Es liegt auf der Hand, dass beides nicht geht. Wenn Weigert das nicht einsieht, wird wohl Söder zu einer Entscheidung kommen müssen

Kolumne von Katja Auer

Der bayerische Jagdverband wählt Ende März einen neuen Chef. Das ist für die Mitglieder erst einmal erfreulich, schließlich zieht sich das Theater um den bisherigen Jagdpräsidenten Jürgen Vocke schon viel zu lange hin. Gegen ihn wird wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten ermittelt, seit Oktober lässt der 76-Jährige sein Amt ruhen.

Wie es aussieht, bewerben sich mindestens zwei Kandidaten, der bisherige Vizepräsident und Pressesprecher Thomas Schreder sowie der Freie-Wähler-Politiker Roland Weigert, der Staatssekretär ist im Wirtschaftsministerium.

Und das auch bleiben will.

Das ist allerdings ein Problem, weil die Doppelrolle unweigerlich Interessenskonflikte mit sich bringen wird. Freilich ist es wünschenswert, dass Politiker fest verankert sind im sogenannten vorpolitischen Raum, dass sie mitbekommen, was die Leute umtreibt. Gerne als Mitglied in Sportvereinen, Feuerwehren, Trachtengruppen. Auch im Jagdverband. Beim Vorsitz aber wird es heikel, zumindest dann, wenn es nicht der Faltboot-Club ist oder der Männergesangsverein.

Der Jagdverband ist eben keine Vereinigung von Veilchen-Liebhabern, sondern ein Lobby-Verein, der die Interessen seiner 50 000 Mitglieder offensiv vertritt. Auch bei heiklen Themen, beim Waffenrecht zum Beispiel oder bei den Abschussquoten. Wie könnte sich der Präsident da neutral verhalten bei einer Debatte am Kabinettstisch? Das wäre, als ob Bauernpräsident Walter Heidl mitentscheidet, wenn es um Zuschüsse oder Auflagen für Landwirte geht. Oder Umweltminister Thorsten Glauber den Vorsitz beim Bund Naturschutz übernimmt und gleich ein paar Nationalparke ausweist.

Nichts gegen Lobbyisten, sie haben ihre Funktion in der Demokratie, aber bitteschön mit klarer Rollenverteilung. Es mag dem Gesetz nicht widersprechen, dass der Präsident eines einflussreichen Verbandes dem Kabinett angehört, dem Anspruch an eine transparente Politik widerspricht es sehr wohl. Weigert muss sich für ein Amt entscheiden. Wenn nicht, sollte es FW-Chef Hubert Aiwanger tun. Das ist aber wohl nicht zu erwarten, wenn ein FW-Mann Einfluss bekommt im stets CSU-dominierten Jagdverband. Dann liegt es beim Ministerpräsidenten. Weil es um den Ruf der Politik geht.

© SZ vom 02.03.2020

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