Mitten in Bayern:Ausgerechnet der Datenschutz-Mann

Personenbezogene Daten sind eine heikle Sache und nichts für eine beliebige Öffentlichkeit. Unterläuft einem Profi dabei allerdings ein Lapsus, gibt es nur eine Lösung: proaktive Aufklärung

Glosse von Johann Osel

Das Wort "ausgerechnet" drückt emotional Verwunderung aus, so erklärt es der Duden - ausgerechnet der macht etwas, ausgerechnet das ist passiert. Leider wird das Adverb inflationär verwendet. Es klingt aufregend, aber die Sache, um die es geht, ist doch oft mäßig überraschend. Manche empören sich etwa darüber, dass eine Supermarktkette ihrem Personal als Dankeschön "ausgerechnet" Reisegutscheine schenkte. Aber wieso nicht? Irgendwann liegen die Leute ja wieder am Strand. Eine Zeitung fragte soeben (um selbst die Antwort zu geben): Warum sitzt "ausgerechnet" Markus Söder bei Krisensitzungen in Berlin an der Seite der Kanzlerin? Klar, weil er Chef beziehungsweise Vize der Ministerpräsidentenkonferenz ist. Aber die Fragestellung mit "ausgerechnet" klingt so, als ob einer wie Söder nichts im Kanzleramt verloren habe, nicht als Hausherr und nicht mal als Gast. Auch das Zeitungsarchiv fördert seltsame Texte zutage. "Ausgerechnet" Obamas Leibwächter sollen sich bei einer Dienstreise Prostituierte aufs Zimmer geholt haben, wurde mal vermeldet. Nun: Spannend wäre es eher, hätte der damalige US-Präsident dies höchstselbst getan.

Damit zum bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz. Ausgerechnet dessen Büro ist - hier passt der Ausdruck bestens - ein Lapsus beim Datenschutz unterlaufen. Man hätte das kaum mitbekommen, gäbe es nicht eine reumütige Entschuldigung: Beim Versand einer Mitteilung vergangene Woche über Standardvertragsklauseln habe sich ein "bedauerliches Büroversehen" zugetragen. Die Empfänger der E-Mail waren nicht als Blindkopie eingetragen, sondern sichtbar für alle Adressaten. "Sie können versichert sein, dass gerade in unserem Hause der Schutz Ihrer personenbezogenen Daten von allerhöchster Bedeutung ist." Ein heikler Vorgang, wenn er nicht innerhalb von Organisationen stattfindet; denn für die Verbreitung solcher "personenbezogenen Daten" müssen die Betroffenen zustimmen. Bei Verstoß droht ein Bußgeld.

Da sollte man freilich nicht übertreiben und lieber die proaktive Aufklärung loben. Der Landesbeauftragte, seit 2009 der Jurist Thomas Petri, kontrolliert öffentliche Stellen beim Datenschutz und unterrichtet die Bürger über relevante Fragen oder Fallstricke. Insofern lässt sich sagen: Aufgabe formidabel erfüllt!

© SZ vom 27.11.2020
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