Mitten in Bamberg:Stärke dem Starke

Der Oberbürgermeister gerät wegen dubioser Bonuszahlungen im Rathaus immer stärker unter Druck

Glosse von Olaf Przybilla

Als Ulrich Maly seinen Abschied ankündigte, da wurde es bayerischen Sozialdemokraten ganz eng ums Herz. Wenn nach den Wahldebakeln auf Landesebene - dem Regelfall also - irgendeiner ohne notorisches Verliererimage Aufmunterndes sagen sollte, dann hatte man sich eben immer auf Maly verlassen können. Genossentrost aus Franken. Ohne den OB aus Nürnberg? Blickten in Franken nun viele nach Bamberg. Andreas Starke ist zwar nicht mit dieser unerschütterlichen Fähigkeit zur Selbstironie gesegnet, mit der Maly der Schwermütigen Partei Deutschlands in Bayern ein Lächeln auch noch auf blutende Lippen gezwungen hat. Einer aber, der vor 15 Jahren mit norddeutscher Noblesse die Genossen im fränkisch-erzkatholischen Bamberg das Siegen und Selbstbewusstsein gelehrt hat - der ist schon auch vorzeigbar. Auch in den dunklen Stunden.

Oder muss man bereits sagen: war vorzeigbar? Am Montag hat die Bamberger Stadtratsfraktion "Volt/ÖDP/Bambergs Mitte" ein Schreiben aufs Fax gelegt. Man muss nicht immer mögen, was diese so von sich gibt, Ehrgeiz samt Geltungsdrang ist der bunten Truppe mindestens nicht komplett fremd. Dass ihre Argumente aber gerade vollends ins Leere zielen, dürften selbst betonfeste Starke-Jünger (die es noch immer gibt in Bamberg) kaum behaupten. Jedenfalls insgeheim.

In der Tat können selbst Leute, die Starke - oder für halb Bamberg: dem "Andi" - aufs Äußerste gewogen sind, kaum noch bestreiten, dass in der Stadtverwaltung über Jahre dubiose Bonuszahlungen geleistet worden sind. Der Kommunale Prüfungsverband hat das attestiert. Auch die Regierung von Oberfranken. Und kürzlich zudem eine von der Stadt selbst beauftragte Kanzlei. Der zufolge waren Bonuszahlungen an Beamte, pauschalierte Aufwandsentschädigungen etwa, "in der überwiegenden Zahl der untersuchten Fälle" schlicht rechtswidrig.

Wer soll das nun noch mit Brief und Siegel attestieren? Der Vatikan? Und wer soll dafür die "politische Verantwortung", wie Bambergs bunte Truppe einfordert, übernehmen? Der Bamberger Reiter?

Es ist wahr, dass Starke weiterhin als juristisch unbescholtener Mann gelten muss. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen allein wären also noch kein Grund für einen Rücktritt - denn dass am Ende tatsächlich jemand der Untreue schuldig gesprochen wird, ist mitnichten sicher.

Genauso wahr aber ist es, dass ein OB seiner Verwaltung vorsteht; und es von Größe zeugen würde, sich schwere Fehler durch unmissverständliche Zeichen als OB auch einzugestehen. So gesehen liegt Bambergs bunte Truppe gar nicht falsch.

© SZ vom 06.07.2021
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