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Mitten in Bamberg:Der Andi muss stark sein

So ein kommunalpolitisches Leben mag meist recht angenehm sein. Das kann aber auch umschlagen, wenn wochenlang einem eine Misslichkeit nach der anderen unter die Nase gerieben wird. So wie dem Bamberger Oberbürgermeister

Glosse von Olaf Przybilla

Andreas Brehme, einer der großen deutschen Philosophen, bestreitet, den Satz geprägt zu haben: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Ganz gleich aber, ob Andreas Brehme das so gesagt hat, Andreas Starke könnte das derzeit täglich so sagen: nach dem Aufstehen, im Zwiegespräch mit dem Spiegel.

Seit Wochen muss man sich das Leben des Bamberger Oberbürgermeisters als Variation auf "Und täglich grüßt das Murmeltier" vorstellen. Mit dem Unterschied, dass Starke - den mindestens die halbe Stadt mit "Andi" anspricht - jeden Tag aufs Neue rätseln darf, welche Misslichkeit ihm diesmal unter die Nase gerieben wird. Heute mal eine Reflexion über Starkes Sache mit dem Selfie, auf dem er ohne Mund-Nasen-Schutz zu sehen ist, und mit dem sich die Ordnungshüter herumschlagen mussten? Das Bild entstand - siehe Brehmes Axiom von der Scheiße-am-Fuß - bei der Eröffnung eines Schönheitssalons, schon klar, sonst hätte das ja zu wenig Stoff für Spötter hergegeben.

Nach monatelangem Erörtern kam das städtische Ordnungsamt zum Ergebnis: alles tipptopp Chef, keine Ordnungswidrigkeit, weiter so. Was die Spaßbremsen von der Coburger Staatsanwaltschaft in einer anderen Causa ganz anders sehen. Muss man sich mal vorstellen: Nur weil Starke freundlich sein wollte - was ausdrücklich seinem Naturell entspricht - und EU-Bürgern in deren Landessprache vor der OB-Wahl ein paar hilfreiche Tipps mitgeben mochte, was man so ankreuzen könnte (und dazu aufmerksamerweise im Rathaus mit Nationalitätsangaben versorgt wurde), soll das ein Verstoß gegen das Dienstgeheimnis sein. Strafbefehl! Starke und die Staatsanwaltschaft sehen sich demnächst vor Gericht.

Unterdessen steht schon die Hofer Staatsanwaltschaft in der Rathaustür. Vorwurf: Untreue. Gerade hat sich Starke erstmals länger dazu geäußert. Richtig, es gab da Überstundenpauschalen und Mitarbeiter seien aus der Zeiterfassung genommen worden. Aber warum denn? Weil man für die Mitarbeiter, die regelmäßig Mehrarbeit leisteten, irgendwann mal Pauschalen eingeführt habe, um sie von der "Pflicht des andauernden Nachstempelns" zu befreien, erklärt der OB.

Womöglich hat der Andi B. das ja echt nicht gesagt, das mit der Scheiße am Fuß. Womöglich war das der Andi aus B.

© SZ vom 14.01.2021
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