Aufwertung der Mittelschulen in Bayern„Eine verdammt schwierige Aufgabe“

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Neuerungen für individuelles Lerntempo: An manchen Mittelschulen sollen Kinder die Klassen fünf und sechs bei Bedarf in drei Jahren absolvieren können.
Neuerungen für individuelles Lerntempo: An manchen Mittelschulen sollen Kinder die Klassen fünf und sechs bei Bedarf in drei Jahren absolvieren können. Foto: Unai Huizi/IMAGO
  • Kultusministerin Anna Stolz will die bayerischen Mittelschulen mit flexibleren Stundentafeln, mehr Projektarbeit und individuellem Lerntempo attraktiver machen.
  • Die Opposition kritisiert, dass ohne zusätzliche Lehrkräfte keine Verbesserung möglich sei, zumal 2026 ein Stellenmoratorium für alle Ressorts gilt.
  • An Bayerns Mittelschulen lernen über 200 000 Schüler, mehr als die Hälfte hat Migrationshintergrund, die Übertrittquote liegt bei knapp 29 Prozent.
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Die Kultusministerin will die Mittelschule attraktiver machen, diese sei ein Fundament für Wirtschaft und Gesellschaft. Grüne und SPD kontern im Landtag: Ohne zusätzliche Lehrkräfte gehe das nicht.

Von Johann Osel

Wie steht es um die Mittelschulen in Bayern? Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hat am Dienstag im Landtag ihre Pläne für eine Stärkung der Schulart diskutieren lassen. Die Mittelschule sei trotz aller Herausforderungen „Sprungbrett“ für vielfältige Berufs- und Bildungswege und ein Fundament für Wirtschaft und Gesellschaft, sagte sie bei einer Debatte auf Antrag ihrer Fraktion. Daher müsse die Schulart „noch attraktiver“ werden. Dies vollziehe ihr Haus mit einigen Neuerungen, und zwar „nicht aus dem stillen Kämmerlein“.

Zum kommenden Schuljahr sollen schrittweise Änderungen greifen, die 2025 aus einer Expertenrunde und dem anschließenden Dialog in „Mittelschulwerkstätten“ entstanden waren: etwa flexiblere Stundentafeln zur Stärkung der Basiskompetenzen, mehr Projektarbeit oder Kooperation mit Eltern und Betrieben. An manchen Schulen können Kinder die Klassen fünf und sechs bei Bedarf in drei Jahren absolvieren. Die Opposition warnte am Dienstag, dass die „Lobeshymnen“ der Staatsregierung nicht der Realität standhielten, wie es Gabriele Triebel (Grüne) formulierte.

An den Mittelschulen in Bayern, den ehemaligen Hauptschulen, lernen mehr als 200 000 Schülerinnen und Schüler, Tendenz sogar steigend. Die Übertrittquote nach der vierten Klasse lag zuletzt bei knapp 29 Prozent. In der öffentlichen Debatte ist die Schulform oft als eine Art Auffangbecken verschrien, wobei es durchaus viele gut funktionierende Mittelschulen gibt. Eine Herausforderung ist die Heterogenität, mehr als die Hälfte der Mittelschüler in Bayern haben einen Migrationshintergrund, außerdem gibt es Tausende Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Der Lehrerverband BLLV hatte zuletzt skeptisch auf die Ideen reagiert, dort dringt man vor allem auf bessere Personalausstattung. Hintergrund ist auch das Stellenmoratorium im Jahr 2026, das der Freistaat im Zuge des ausgeglichenen Haushalts für alle Ressorts verfügt hat. Wie ein Papier des Kultusministeriums unlängst zeigte, leiden die Mittelschulen besonders darunter. Nötig sei vielerorts eine „straffe“ Klassenbildung, hieß es. Derzeit liegt die durchschnittliche Größe an Mittelschulen bei 20,3 Kindern. Zum Vergleich: An den Gymnasien sind es 25,2; doch laut BLLV gestaltet sich an Mittelschulen oft selbst der Unterricht in Kleingruppen wegen der Heterogenität schwierig.

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Oft genug, erklärte die Grünen-Abgeordnete Triebel, setze sich bei den Jugendlichen „der Eindruck fest, dass sie auf einer Reste-Schule sind“. Der Schlüssel, um die Talente von Jugendlichen zu entdecken und zu fördern, seien Menschen. Das Stellenmoratorium komme zum bestehenden Lehrermangel dazu. Wenn die Ministerin, so Triebel, die Mittelschulen wirklich stärken wolle, hätte sie sich bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) durchsetzen müssen. Stolz entgegnete, der Lehrermangel sei oft keine Frage der Stellen, sondern des Interesses beim pädagogischen Nachwuchs. „Solange die Mittelschule ständig schlechtgeredet wird wie heute, bleibt das eine verdammt schwierige Aufgabe.“

Nicole Bäumler (SPD) kritisierte, dass das Format der Aktuellen Stunde im Landtag „als ministerielle Werbefläche“ zweckentfremdet werde. Sie verwies ebenfalls auf die personelle Lage und auf viel Unterrichtsausfall. Schulgebäude seien zudem häufig „in einem beschämenden, im schlimmsten Fall gefährlichen Zustand“. Die Kommunen könnten sich Sanierungen nicht leisten, „der Freistaat schaut weg“. Oskar Atzinger (AfD) beklagte, dass Handwerk und berufliche Bildung in der Gesellschaft oft „als Plan B“ gelten. Ute Eiling-Hütig (CSU) argumentierte ähnlich: Das Land brauche „2000 Handwerker und einen Professor maximal“, und nicht umgekehrt.

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