BildungspolitikChef sein, nein danke

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Leitungsposten an Grund- und Mittelschulen sind weniger attraktiv als an anderen Schularten. Verbände fordern deshalb mehr Geld und Zeit für Schulleitungen, die Grünen sehen die Regierung in der Bringschuld.

Von Anna Günther, Landau an der Isar

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Seine Konrektorin könnte sofort eine Grundschule leiten, sagt Andreas Fischer, "sie ist eine Top-Kraft, tüchtig, absolut geeignet". Nur will sie halt nicht. Sie wisse, was er als Chef der Grundschule in Landau an der Isar an Zusatzaufgaben zum Rektorenjob zu tun hat, sagt Fischer. Das lohne sich finanziell nicht. Er höre das als Vorsitzender des Bayerischen Schulleitungsverbandes oft: Zu viel Verwaltung, zu wenig Zeit für Gestaltung, zu wenig Geld. Nein, danke.

Die Statistik spiegelt das wider: Aktuelle Zahlen des Kultusministeriums in einer Antwort auf eine Anfrage der Landtagsgrünen deuten daraufhin, dass der Chefposten an Grund- und Mittelschulen unattraktiver ist als an Realschulen oder Gymnasien: Von 289 freien Schulleiterstellen an Grund- und Mittelschulen wurden bis August 107 mehrmals ausgeschrieben. Auf 137 Stellen bewarb sich nur jeweils eine Person. Das war 2021 ähnlich. Dagegen gab es an Realschulen, Gymnasien oder Beruflichen Schulen keine Direktorenstelle, die mehrmals ausgeschrieben wurde. Zum 1. September hatten 26 Grund- und Mittelschulen von 2700 keinen Chef oder eine Chefin, ein Prozent. Konrektoren übernahmen die Aufgabe.

"Das liegt an der schlechten Bezahlung", sagt Fischer. Gerade kleine Schulen seien unattraktiv, die Höhe des Soldes richtet sich nach der Schülerzahl. An kleinen Schulen müssten Rektorinnen weniger Schüler und Lehrer führen, die administrativen Aufgaben seien aber identisch mit großen Schulen. Und nebenbei sind Corona, Digitalisierung und ukrainische Kinder zu organisieren sowie Quereinsteiger und Studenten zu qualifizieren. "Das ist ein Haufen Arbeit, aber kaum finanzieller Unterschied zu den Lehrern." Dazu komme, dass Leitungen kleiner Schulen mehr unterrichten müssten als er mit 460 Kindern und 74 Mitarbeitern. Fischer kommt auf elf Unterrichtsstunden in der Woche, Kollegen kleiner Standorte unterrichteten mitunter 25 Stunden.

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"Die Bewerberzahlen sähen noch ganz anders aus, wenn wir nicht ständig Leute überreden würden", sagt auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Etwa junge Kollegen, die wenig Erfahrung haben. Aber lieber überreden, als dass die Notoption greife: Wenn eine Schule gar keine Leitung habe, werde die dienstälteste Lehrerin verpflichtet. "Dabei haben sich diese Kollegen bewusst gegen eine Führungsrolle entschieden und wenn sich niemand findet, werden sie vertröstet und vertröstet." Bis mancher hinschmeiße.

Außerdem geben immer mehr Rektoren auf

Fischer wie Fleischmann bestätigen, dass immer mehr - oft engagierte - Schulleiter aufgeben, weil sie nicht mehr wollen oder können. Aktuelle Zahlen gibt es nicht, im Schuljahr 2020/2021 hatten in Bayern 14 von insgesamt 3717 Schulleitern ihr Amt abgegeben. 34 sind dienstunfähig ausgeschieden. Die Gründe werden laut Kultusministerium nicht erfasst.

Um diese Entwicklung zu stoppen, müsse der Job wieder attraktiver werden, sagen die Verbände. Sie fordern Freiheit und Zeit, um wieder gestalten zu können. Nur betrifft der Lehrermangel besonders Grund- und Mittelschulen, jede Hand wird im Unterricht gebraucht. Zur Entlastung brauche es laut Fischer auch eigens für Schulen ausgebildete Verwaltungskräfte. Und mehr Geld, überhaupt und im Vergleich zu den Lehrern.

"So toll das ist mit A 13, aber es ärgert mich maßlos, dass über eine Anpassung für Schulleitungen nicht gesprochen wird", sagt Fischer. Und dass die Grundschulen "wieder" hintanstünden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angekündigt, Schulleiter entlasten zu wollen - und nach der Landtagswahl auch Grund- und Mittelschullehrern das höhere Einstiegsgehalt A 13 zu bezahlen, beginnend mit den Mittelschulen. Werde der Sold der Schulleiter dann nicht angehoben, "haben wir in einem Jahr gar keine mehr", sagt die BLLV-Chefin Fleischmann. Rückenwind kommt von Thomas Gehring, Landtagsvizepräsident und Bildungsexperte der Grünen: "Ohne tiefgreifende Veränderungen fährt der Kultusminister die Grund- und Mittelschulen gegen die Wand." Auf A 13 müsse mehr Salär für Schulleitungen folgen.

So dramatisch sieht man die Situation im Kultusministerium nicht: Schulleiterstellen blieben nie lange vakant, hieß es. Die Zufriedenheit der Schulleiter sei sehr wichtig, deshalb gebe es bereits eine Stunde mehr Leitungszeit und mehr Verwaltungsstellen. Dass Direktoren von Realschulen und Gymnasien noch weniger unterrichten müssten, liege aber auch daran, dass die übergeordneten Schulämter den Grund- und Mittelschulleitungen Entscheidungen und Arbeit abnehmen, die an Realschulen und Gymnasien Schulleiter selbst erledigen.

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