Mittelfranken SEK-Einsatz bei Abschiebung in Nürnberg

Einsatzkräfte der Polizei führen den abgelehnten Asylbewerber ab, der im Zuge einer geplanten Abschiebung damit drohte, sich etwas anzutun.

(Foto: dpa)
  • Ein abgelehnter Asylbewerber hatte nach einem Fluchtversuch damit gedroht, sich etwas anzutun.
  • Erst nach Stunden konnte er von Spezialeinsatzkräften in Nürnberg festgesetzt und in eine Klinik gebracht werden.
  • Am Flughafen wurde die Abschiebung schließlich ausgesetzt.
Von Claudia Henzler, Nürnberg

Die geplante Abschiebung eines abgelehnten Asylbewerbers hat sich am Dienstag in Nürnberg zu einem stundenlangen Polizeieinsatz mit Spezialkräften entwickelt. Der Mann, zu dem die Polizei keine näheren Angaben macht, war aus dem Fenster eines Wohnhauses im Stadtteil Gostenhof geflüchtet, als ihn am Vormittag Streifenbeamte zu einem Abschiebeflug bringen wollten. Als er im Innenhof stand, hat er laut Polizei gedroht, sich etwas anzutun.

Die Beamten alarmierte daraufhin für Verhandlungen geschultes Personal sowie Spezialeinsatzkräfte und ein Unterstützungskommando. Nach gut zwei Stunden, während der sich einige Abschiebegegner vor dem abgesperrten Einsatzort versammelten, wurde der Mann schließlich von den Spezialeinsatzkräften festgesetzt und in eine Klinik gebracht.

Laut Flüchtlingsrat handelt es sich bei dem Mann um einen Afghanen, der seit Jahren mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in Deutschland lebt, nachdem sein Vater von den Taliban umgebracht worden sei. Aus Sicht des Flüchtlingsrates ist der junge Mann gut integriert: Er besuchte eine Abendrealschule und wollte dieses Jahr seinen Abschluss machen.

Aus dem Gewahrsam war er zum Flughafen gebracht worden, wo schließlich entschieden wurde, die Abschiebung auszusetzen. Zu den Gründen hab es keine Angaben. Vorangegangenen sei jedoch eine medizinische Untersuchung des Mannes. Etwa 500 Menschen hatten laut Polizei gegen die Abschiebung protestiert.

Flüchtlinge in Bayern Wer aus dem Klassenzimmer abschiebt, hat jedes Gefühl für Menschlichkeit verloren

Nürnberger Protest gegen Abschiebung

Wer aus dem Klassenzimmer abschiebt, hat jedes Gefühl für Menschlichkeit verloren

In Nürnberg wollten Berufsschüler verhindern, dass ihr afghanischer Mitschüler abgeschoben wird. Für sie ist es ein Schock zu sehen, dass ihr Land weder christlich noch sozial ist.   Kommentar von Olaf Przybilla