Asylbewerber im Kleinwalsertal:Die Bürokratie stoppt das Engagement

Endgültig skurril ist die Situation seit Montag: Während die Mittelberger auf eine Lösung warten, hat das österreichische Innenministerium einen eindringlichen Aufruf an die Bevölkerung veröffentlicht: "Die zunehmende Zahl an Asylsuchenden bringt ein Unterbringungsproblem mit sich." Deshalb bittet das Ministerium alle Bürger, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. "Wir hätten zwei Pensionen und Einzelwohnungen hier", sagt Haid. Doch sein Angebot verhallt ungehört.

Mit dieser Situation will sich der Vorarlberger Landtagsabgeordnete Daniel Zadra nicht abfinden: "Das rechtliche Thema Durchreise durch deutsches Gebiet ist nachvollziehbar, aber wohl nicht unlösbar", sagt der Grünen-Politiker. Er kritisiert, dass die "sehr vorbildlichen" Mittelberger ausgebremst würden. "Wir dürfen dieses Engagement nicht mit Bürokratismus ersticken", fordert Zadra.

Hilfe für eine anerkannte Flüchtlingsfamilie

Auch Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) - er ist in etwa das Vorarlberger Äquivalent zu Bayerns Innenminister Joachim Herrmann - fordert eine schnelle Lösung: "Ich habe kein Verständnis und hoffe, dass eine Regelung gefunden werden kann." Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums laufen Gespräche mit dem Ministerium in München. "Aber es gibt noch kein Ergebnis", sagt ein Sprecher in Wien. SZ-Anfragen beim bayerischen Innenministerium bleiben unbeantwortet. Am Mittwoch empfängt Joachim Herrmann seine österreichische Amtskollegin Johanna Mikl-Leitner in Taufkirchen bei München, um über die allgemeine Situation der Flüchtlinge zu beraten. "Auch da wird noch keine Lösung verkündet", heißt es aus Wien.

Die Mittelberger haben inzwischen eine Zwischenlösung gefunden: Demnächst werden sie eine syrische Familie aufnehmen, deren Mitglieder bereits als Flüchtlinge anerkannt sind. Mit diesem Status dürfen sie sich EU-weit frei bewegen - also auch zwischen Bayern und Vorarlberg pendeln. "Wir wollen aber noch mehr Flüchtlinge aufnehmen", sagt Andi Haid. Seine Gemeinde lebt vor allem vom Tourismus, dennoch stehen seine Bürger voll und ganz hinter ihm, betont er. Nur ein Gast habe ihm eine kritische E-Mail geschrieben. "Wenn Sie Flüchtlinge aufnehmen, dann wird das Kleinwalsertal nicht mehr mein Urlaubsziel sein", zitiert Haid. "Aber solche Schreiben beantworte ich nicht einmal."

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