Bei Grabungen in RothenburgUnd plötzlich taucht da eine mittelalterliche Synagoge auf

Lesezeit: 1 Min.

Bei Grabungen in Rothenburg ob der Tauber ist das mittelalterliche Fundament einer Synagoge entdeckt worden.
Bei Grabungen in Rothenburg ob der Tauber ist das mittelalterliche Fundament einer Synagoge entdeckt worden. (Foto: KT Kohler & Tomo Archäologie/dpa)

Das mittelfränkische Rothenburg war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens. Der jetzige Fund unter dem Kapellenplatz überrascht jedoch auch Fachleute.

Bei Grabungen im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber sind Reste einer Synagoge aus dem Mittelalter entdeckt worden. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege handelt es sich um Fundamente eines der bedeutendsten jüdischen Zentren Süddeutschlands.

Rothenburg ob der Tauber galt demnach im Mittelalter als Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit mit überregionaler Strahlkraft. Von der ersten Synagoge am heutigen Kapellenplatz gab es den Angaben zufolge bisher nur historische Zeichnungen, jedoch keine konkreten Belege. Im Zuge der Neugestaltung des Platzes kamen nun die Fundamente ans Licht. Sie stimmen demnach in Bauweise, Ausrichtung und Lage des Haupteingangs bis ins Detail mit zwei bekannten Abbildungen aus dem 18. Jahrhundert überein.

Es gebe deshalb kaum Zweifel: Bei den Funden handele es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die erste Synagoge Rothenburgs. Sie habe als großer, frei stehender Saalbau der Romanik das Stadtbild geprägt.

„Der Fund an dieser Stelle war überraschend, da die Synagogean anderer Stelle vermutet wurde“, sagte Mathias Pfeil, Generalkonservator des Landesamts. Das zeige einmal mehr den unschätzbaren Wert der Bodendenkmalpflege. „Nur dank archäologischer Untersuchungen wie diesen gelingt es uns, die Geschichte des europäischen Judentums um einen weiteren Mosaikstein zu ergänzen.“

Die Synagoge war zwischenzeitlich in eine Kapelle umgewandelt worden, hier zu sehen auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1762.
Die Synagoge war zwischenzeitlich in eine Kapelle umgewandelt worden, hier zu sehen auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1762. (Foto: Rothenburg Museum)

Zugleich erzählt der Fund von der Zerstörung der Synagoge. Nach einem Judenpogrom von 1349 fiel das Gebäude laut dem Landesamt an die Stadt Rothenburg. 1404 verkaufte es die Stadt, im Zuge der Säkularisation 1805 wurde das bereits zur Kapelle umgewandelte Gebäude dann abgerissen.

Wann die Synagoge genau entstanden ist und wie die Baugeschichte im Detail aussieht, ist bis heute unklar. Die noch nicht freigelegten Teile des Synagogenfundaments bleiben demnach geschützt unter dem neuen Pflaster bestehen. Die Struktur soll aber auf dem neuen Platz abgebildet werden und so dauerhaft sichtbar sein.

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Denkmalschutz
:Warum zwei junge Leute eine alte Synagoge retten

Andreas und Anna-Maria Heck richten in Unterfranken mit Holz, Kalk, Lehm, Stroh und Sand ein Haus aus dem Mittelalter wieder her. Über ein idealistisches Projekt zwischen Leidenschaft und Unvernunft.

SZ PlusVon Max Weinhold

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: