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Missbrauchsfälle in Ingolstadt:Ein netter Mann zum Fürchten

Schneebälle in der Dusche und Kribbelmonster im Zeltlager: In Ingolstadt hat sich ein Lehrer das Vertrauen seiner Schüler erschlichen - jetzt steht er wegen sexuellen Missbrauchs in zwölf Fällen vor Gericht.

Ulrike Heidenreich

In den vergangenen Jahren hatten immer mal wieder Mädchen den Verein verlassen. Sie waren aus der Handballabteilung ausgetreten, weil etwas nicht stimmte. Sie kündigten lautlos, ohne Begründung, wussten selbst nicht so genau warum.

Der angeklagte Lehrer trägt beim Spiel im Zeltlager eine Maske, hier beim "Geistermarsch". Das Foto hatter der Lehrer im Internet veröffentlicht.

(Foto: Foto: oh)

In den vergangenen Jahren waren Mädchen lachend aus der Grundschule gekommen, sie hatten erzählt, dass der Sportlehrer sie beim Duschen mit Schneebällen beworfen habe. Das war lustig, sagten einige. Andere Mädchen aber wollten danach nicht mehr in die Duschkabine, taten sich schwer, zu Hause zu erklären, warum. Denn nach dem Sport duschten doch alle. Es war auch nur so ein Gefühl.

In den vergangenen Jahren nahmen es Eltern hin und wieder erstaunt zur Kenntnis, dass der Betreuer ihre Kinder so gewissenhaft nach Zecken am ganzen Körper absuchte, wenn sie wieder einen fröhlichen Sommertag im Zeltlager des Sportvereins am Weicheringer Weiher verbracht hatten. Zecken sind gefährlich, eine Untersuchung kann ja nicht schaden. Dass der Pädagoge immer wieder so spannende Kribbelmonster-Spiele veranstaltete, war bekannt.

Es ist Sommer 2009: In Sonthofen wird der 37-jährige Christoph G. verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Kinder in zum Teil schwerwiegender Weise sexuell missbraucht zu haben, einige von ihnen lernte er in seiner Funktion als Sporttrainer kennen. In Passau wird Anklage gegen einen 38 Jahre alten Judo-Trainer erhoben, der 15 Jahre lang neun Kinder sexuell missbraucht hatte. In München wird ein 49 Jahre alter Trainer des Deutschen Leichtathletikverbandes wegen jahrelangen Missbrauchs seiner Schüler zu acht Jahren Haft verurteilt.

Am 10. August wird in seinem Wohnhaus in einer Gemeinde nahe Ingolstadt Robert X. (Name von der Redaktion geändert) verhaftet. Er ist 49 Jahre alt, Vater von drei Kindern und jener Pädagoge, der in der Duschkabine Schneebälle warf, im Zeltlager das Kribbelmonster spielte und in der Handballabteilung des ESV Ingolstadt für einige Austritte von Mädchen verantwortlich war. Vermutlich. Denn erst im Nachhinein werden Zusammenhänge klar, finden Eltern Erklärungen, erkennen Kinder, was da wirklich passiert ist im Verein, in der Schule, im Zeltlager. Orte, zu denen Eltern ihre Kinder unbesorgt gehen lassen.

"Sehr angenehme Person"

Zu einem Lehrer und Trainer, der doch so ein netter Mensch ist. "Ich habe ihn als eine sehr angenehme Person kennengelernt. Und auch in den Ermittlungsakten lese ich immer wieder, dass die befragten Eltern sich das von dem Beschuldigten überhaupt nicht vorstellen können", sagt Jörg Gragert, der Anwalt von Robert X. Der Ingolstädter Strafrechtler erhielt am Abend des 10. August einen Anruf von der Polizei, dass da jemand sei, der seine Hilfe benötige. Am Tag zuvor hatte der Vater eines achtjährigen Mädchens, das ihm von seinen Erlebnissen berichtet hatte, Anzeige erstattet. Der Betreuer hatte in der Woche zuvor während der Jugendfreizeit Kinder mit Spielen in sein Zelt gelockt, sie aufgefordert, sich auszuziehen und zu sexuellen Handlungen genötigt.

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