Mietstreit über Tagungshaus:Der Kampf um Kreuth

Seehofer soll persönlich bei Franz Herzog von Bayern vorgesprochen haben, dem Oberhaupt der Familie Wittelsbach. Auch bei dessen Bruder Max soll er angeklopft haben. Doch beide hielten sich heraus und verwiesen auf Helene, die Tochter von Max. Die Herzogin alleine entscheide über die Verhandlungen zu Kreuth - und sie war offensichtlich nicht bereit, der CSU in dem Maße entgegenzukommen, wie die es erhofft hatte.

Friedrich Zimmermann gestorben

Franz Josef Strauß (mit Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann). Kreuth war immer eine große Bühne für die CSU-Granden.

(Foto: Hartmut Reeh/picture alliance/dpa)

Eigentümerin Helene dürfte von der Entscheidung der Stiftung daher nicht wirklich überrascht gewesen sein. "Wir bedauern das, aber es ist, wie es ist. Es hat sich bei den sehr konstruktiven Gesprächen schon angedeutet, dass man nicht zusammenkommt", sagt ihr Anwalt Christian Nunn. Denn die 11 000 Quadratmeter an Räumen im früheren Sanatorium müssten ja nicht nur zu den beiden CSU-Klausuren im Januar belegt werden, sondern 365 Tage im Jahr. Die Pacht des gesamten Ensembles konnte sich die HSS offensichtlich nur zu Bedingungen leisten, wie sie im Vertrag von 1974 festgeschrieben sind. Von einem Euro pro Quadratmeter war die Rede, insgesamt angeblich 84 000 Euro im Jahr.

Die Preissteigerung von Kreuth

Die kolportierten 630 000 Euro, die Helene in Bayern jetzt verlangt haben soll, weist ihr Anwalt Nunn zurück. Diese Zahl habe mit den Verhandlungen nichts zu tun. Für eine Neuauflage des mehr als 40 Jahre alten Vertrags wurden zwei Modelle durchgesprochen. Beiden Parteien war da schon klar, dass am alten Gebäude einiges an Sanierungsbedarf anfällt. So pittoresk es von außen aussieht - innen verströmt es den Charme einer Jugendherberge: Im ersten Modell hätte Helene in Bayern die Sanierung übernommen, dafür aber eine höhere Pacht verlangt. Im zweiten hätte die Hanns-Seidel-Stiftung investiert und dafür deutlich weniger an Pacht überwiesen.

CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth

Joachim Herrmann im Mikrofongetümmel der Journalisten.

(Foto: Peter Kneffel/picture-alliance/dpa)

Beide Varianten konnte oder wollte sich die Stiftung nicht leisten. Er könne finanzielle Lücken größeren Ausmaßes nicht hinnehmen, sagte Seehofer am Montag. Fast drei Millionen Euro soll die HSS im vergangenen Jahr für das Gebäude aufgewendet haben, inklusive Bauunterhalt und Raumkosten. Man kann davon ausgehen, dass dem Stiftungsvorstand die Entscheidung nicht leicht fiel: Theo Waigel, Alois Glück, Stoiber, Seehofer, ehemalige und aktuelle Minister gehören ihm an - trotzdem soll der Beschluss bei einer Enthaltung einstimmig ausgefallen sein.

Eine Lösung mit Kreuth?

Doch die CSU wäre nicht die CSU, wenn sich vielleicht nicht doch eine Lösung finden ließe: Seine Mandantin werde nun Pläne ohne die Hanns-Seidel-Stiftung forcieren, sagt Anwalt Nunn. Es gebe mehrere Interessenten. Denkbar sei etwa, dass ein Tagungshotel entstehe, in das sich die CSU mit ihrer Landesgruppe und Landtagsfraktion jederzeit einmieten könne. Bislang hatte sich die CSU für die schönen Winter-Bilder stets bei der HSS eingebucht.

Der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) war trotzdem erst einmal enttäuscht, als er die Nachricht hörte. "Das ist für uns ein schwerer Schlag", sagte er. Die Seminare hätten dem Ort Gäste beschert, die Bilder seien beste Werbung gewesen. Ob der Geist von Kreuth für immer verschwindet? "Schauen wir mal", sagt Bierschneider. Im Januar wird CDU-Chefin Angela Merkel nach Kreuth kommen, als vorerst letzter Gast. Ob es diesmal ein endgültiger Trennungsbeschluss war, wird wohl erst später feststehen. Die Hoffnung ist gering: "Am 31. März 2016 gehen für uns dort die Lichter aus", sagt ein einflussreicher CSU-Mann.

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