Mietschulden Weniger Zwangsräumungen

Gute Konjunktur und funktionierende Prävention

Die Zahl der Zwangsräumungen in Bayern ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Nach Angaben der Ministerien für Justiz und Soziales räumten Gerichtsvollzieher vor fünf Jahren noch mehr als 6800 Wohnungen. Zwei Jahre später waren es gut 6000. Landesweite Zahlen für 2018 gibt es nicht, doch größere Städte wie Nürnberg und Würzburg bestätigen den Trend. In Nürnberg wurden 2018 knapp 330 Zwangsräumungen vorgenommen. Fünf Jahre zuvor hat die Stadt mehr als 560 Räumungen registriert. In Würzburg stellt Richter Jürgen Reiher vom Amtsgericht eine "leicht sinkende Tendenz" fest. Zwischen 50 und 100 Räumungen werden dort jährlich durchgeführt. Reiher führt den Rückgang auf die wirtschaftliche Konjunktur zurück. Reinhard Hofmann vom Sozialreferat Nürnberg sagte: "Es ist ein Bündel von Gründen, warum die Zwangsräumungen sinken. Aber einer ist sicher die funktionierende Prävention."

Die Vorbeugung umfasst in Bayern ein ganzes Maßnahmenpaket: Das Sozialamt kann Mietschulden übernehmen oder dem Vermieter die Zahlung der Miete garantieren. So können viele Zwangsräumungen noch verhindert werden. Auch beim Finden einer neuen Bleibe kann das Sozialamt helfen. Es kann Maklergebühren, Kaution oder Transportkosten zahlen. Oft kooperieren die Städte mit Schuldnerberatungsstellen wie in Regensburg. Gut 100 Räumungsklagen sind dort bei Gericht eingegangen. Viele Betroffene suchen aber zu spät Hilfe bei einer Beratungsstelle. "Dann steht der Gerichtsvollzieher schon fast vor der Tür", sagte Daniel Wagner vom Diakonischen Werk Bayern. Dabei ist es wichtig, schnell zu reagieren. Eine Räumung ist teuer: Umzug, Einlagerung der Möbel und Gerichtsverfahren kosten viel Geld. So könnten aus 1000 Euro Mietrückstand schnell Schulden von 5000 Euro entstehen. Schulden sind meist der Grund für eine Räumung. In Ingolstadt haben Gerichtsvollzieher 2018 gut 40 Wohnungen geräumt. In 70 Prozent der Fälle konnte die Miete nicht mehr bezahlt werden.