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Miesbacher Affären:Kreidl und Färber luden fleißig ein

Jakob Kreidl

Jakob Kreidl weist die Verantwortung für die hohen Ausgaben für das Fest zu seinem 60. Geburtstag zurück.

(Foto: dpa)

Bei 300 Gästen sollte eigentlich Schluss sein. Für Kreidl und Färber war das nicht genug. Wie nun bekannt wurde, luden sie immer neue Honoratioren ein - und sprengten damit das von der Sparkasse für Kreidls Geburtstagsfest gesetzte Limit.

Wann immer es um das sündteure Fest zu seinem 60. Geburtstag geht, weist der Miesbacher Affären-Landrat Jakob Kreidl (CSU) die Verantwortung dafür strikt zurück. Er habe erst im Nachhinein erfahren, dass die Feier im Schlierseer Bauernhofmuseum 118 000 Euro kostete, erklärt Kreidl stets.

Ausrichter seien der Chef der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Martin Mihalovits, und der Miesbacher Vize-Landrat Arnfried Färber (Freie Wähler) gewesen. Er habe mit Planung und Organisation nichts zu tun gehabt.

Ganz so wie Kreidl das darstellt, kann es nicht gewesen sein. Zwar war Mihalovits einer der Ausrichter des Fests, das sein Geldinstitut 77 000 Euro und den Landkreis 33 000 Euro gekostet hat. Aber nach Informationen der SZ hat er die Organisation erst spät an sich gezogen.

In der Summe war alles enthalten - bis auf Getränke und Versteuerung.

"Eigentlich waren es ja der frühere Sparkassenchef Georg Bromme und Färber, die die Planung innehatten", sagt ein Insider. "Erst als sie aus dem Ruder lief, griff Mihalovits ein." Sein Ziel war demnach, den Aufwand zu reduzieren, wo immer es geht.

Zunächst war Mihalovits offenbar erfolgreich. Zwei Wochen vor dem Fest einigte er sich mit Ex-Skistar Markus Wasmeier, in dessen Bauernhofmuseum das Fest stattfand, dass es 22 000 Euro kosten sollte. In der Summe war alles enthalten - bis auf Getränke und Versteuerung. Die Getränke sollten nach Konsum abgerechnet werden, man rechnete mit 5000 Euro.

Die Versteuerung hätte 17 000 Euro betragen. Insgesamt also 44 000 Euro. Damit wäre das Fest immer noch eins der teuersten gewesen, das ein Kommunalpolitiker je gefeiert hat. Aber gemessen an den 118 000 Euro, die letztlich anfielen, wäre es noch günstig gewesen.

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Klar, der Sparkassenverband findet es auch nicht so prima, wie die Kollegen in Miesbach für örtliche Honoratioren Geld ausgegeben haben. Das ruiniert den Ruf. Andererseits ist das ja nur ein Einzelfall. Strengere Regeln brauche es nicht - findet auch der zuständige Minister Joachim Herrmann.   Von Christian Sebald und Mike Szymanski

Der Punkt, warum es anders kam, ist die Zahl der Gäste. Sie war auf 300 gedeckelt. Zu dem Zeitpunkt, als Mihalovits die Vereinbarung mit dem Museum unterschrieb, hatten 280 zugesagt. "Die Sparkasse hat klar gesagt, dass Schluss sein muss", betont der Insider. "Aber Färber und Kreidl haben immer neue Honoratioren eingeladen."

Plötzlich waren es 360 Gäste. "Dazu kamen Abordnungen der Trachtler, Gebirgsschützen und anderer Vereine mit 100 Leuten", weiß der Insider. Binnen zwei Wochen sei die Liste auf 460 Feiernde aufgeblasen worden, "im Landratsamt, gegen jede Absprache". Deshalb explodierten die Kosten. Die zusätzlichen Speisen und Getränke seien das Geringste gewesen. "Aber man brauchte über Nacht mehr Räume, mehr Personal, mobile Sanitäranlagen und vieles andere", sagt der Insider.