Miesbach Warum Natalie Geisenberger Zoff mit ihrer Heimatstadt hat

Große Freude: Natalie Geisenberger im olympischen Eiskanal.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Für ihre olympischen Goldmedaillen Nummer 3 und 4 sollte die erfolgreiche Rodlerin geehrt werden. Doch da ist offenbar einiges schiefgelaufen in Miesbach.

Von Matthias Köpf, Miesbach

Am Wallberg über dem Tegernsee machte die vierfache Olympiasiegerin am Montag auf all den freudig verbreiteten Fotos gute Miene, so wie es sich für eine langjährige Werbepartnerin der Wallbergbahn zur Eröffnung der Sommersaison gehört. Am kommenden Montag ist dann ein Termin daheim in Miesbach: Empfang, Goldenes Buch, vielleicht ein Glas Sekt, doch das gemeinsame Mittagsessen drüben in Gmund wird Natalie Geisenberger wohl auslassen.

Dabei ist es gar nicht die Stadt, sondern der Landkreis Miesbach, der Geisenberger und seine sieben anderen Olympiateilnehmer von Pyeongchang auf diese Weise ehren will. Von der Stadt wird es diesmal keinen Empfang für ihre Ehrenbürgerin mehr geben, denn erstens sind das dritte und vierte Olympiagold der Rennrodlerin schon bald wieder ein Vierteljahr her, und zweitens haben sich Geisenberger und die Stadt in der Zwischenzeit ziemlich über die angemessene Form für die Ehrung zerstritten.

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Für Geisenbergers Gold Nummer eins und zwei 2014 in Sotschi gab es hinterher in Miesbach ein richtiges Feuerwerk. Vier Jahre sowie etliche WM- und Weltcupgesamtsiege später hätte die Stadt da noch eine weitere Stufe zünden können. Stattdessen hing bei Geisenbergers Rückkehr aus Korea kein Transparent über der Straße, und im Wortsinn empfangen wurde sie von Vertretern ihrer Heimatstadt auch nicht. Sie ist halt erst einmal einfach heimgekommen, und aus dem Rathaus heißt es, Geisenberger habe es auch genau so gewollt.

Nur ging direkt danach Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) in Urlaub, sodass sich allerlei andere Instanzen der Organisation der nötigen Feierlichkeiten annahmen. Zwei Wochen nach der Rückkunft habe man sie um ein Foto mit Medaillen gebeten, um doch noch Plakate an den Ortseingängen anzubringen, teilt Geisenberger selbst mit. So ein Foto habe sie dann mit einigem Aufwand machen lassen, nur um zu erfahren, dass stattdessen jetzt eine hochformatige Aufnahme in Jubelpose für Fahnen am Marktplatz gebraucht werde.

Auch was Ort und Ausgestaltung des Empfangs betraf, sei es lang hin und her gegangen, am Ende seien alle ihre Vorschläge verworfen worden und sie selbst habe nur noch zwischen Buffet und Menü wählen sollen. Insgesamt gewann Geisenberger jedenfalls den Eindruck, dass die Ehrung der Stadt eher eine lästige Pflicht denn ein ehrliches Anliegen ist, weshalb sie lieber ganz darauf verzichtet habe.

Die Lokalzeitung Miesbacher Merkur verband einen Artikel über diese Absage mit einem Aufruf, das Thema auf Facebook zu diskutieren. Eine Folge war laut Geisenberger ein übler Shitstorm, eine andere nun ihre eigene Darstellung. Die Bürgermeisterin, die Geisenberger in ein paar Wochen in Miesbach hätte trauen sollen, will zu all dem gar nichts mehr sagen, außer dass da etwas schief gelaufen sei und sie sich schon mehrmals entschuldigt habe. Geisenbergers Hochzeit wird jetzt jedenfalls nicht in Miesbach stattfinden. Der Empfang am Montag im Landratsamt schon, aber da hat Pongratz nach eigenen Angaben schon seit Monaten keine Zeit.

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