Süddeutsche Zeitung

Mitten in Bayern:Katastrophen-Bekämpfung mit Bierfass

Wohin mit dem vielen Bier in Corona-Zeiten? Ein Brauhaus verkaufte ein 150-Liter-Fass an das Miesbacher Landratsamt. Zum Sonderpreis. Dummerweise hilft dort gerade die Polizei bei der Kontaktnachverfolgung - und witterte sogleich ein Bestechungsgeschenk.

Glosse von Matthias Köpf

Bier trinken sie schon noch, die Bayern, aber notgedrungen eher daheim. Und nur für daheim und ganz ohne Gäste wäre so ein 150-Liter-Fass vielleicht doch zu groß, selbst wenn im Keller Platz wäre. Die Gastronomie fällt aber auch gerade aus. Wohin also mit den großen Gebinden, fragen sich daher die Brauer, wenn das Haltbarkeitsdatum näher rückt. Ein Brauhaus am Tegernsee hat da im Dezember einen Abnehmer gefunden - nur zum Sonderpreis zwar, aber immerhin. Im Landratsamt in Miesbach haben sie deswegen jetzt wieder die Polizei und den Staatsanwalt am Hals.

Obwohl: Die Polizei war ja schon länger im Haus, zur Amtshilfe beim Contact Tracing. Nur hat neulich die Miesbacher Inspektionsleiterin ihre Kollegen im Landratsamt besucht, und da kam das Gespräch auf jenes 150-Liter-Fass, das in einem Nebenraum des Corona-Lagezentrums allzeit bereit stand. Dieses Lagezentrum ist für den sogenannten K-Fall eingerichtet worden und nicht für ein G-Lage. Aber jetzt ist die Katastrophe da und das Landratsamt muss die Lage beruhigen: Das Fass sei den Krisenstäblern erst nach Dienstschluss zur Verfügung gestanden, bei allen Abstandsregeln und jeweils nur für "ein kleines Glas, also 0,33 Liter". Außerdem, ganz wichtig: Man habe das Fass nicht geschenkt bekommen, sondern es aus dem Bewirtungsbudget bezahlt. Auch da gilt: Nur den Sonderpreis zwar, aber immerhin. Denn das Feiern auf fremde Kosten war einst schon Auslöser der Miesbacher Sparkassenaffäre, die den damaligen Landrat Jakob Kreidl 2014 das Amt gekostet und ihm 2019 eine Bewährungsstrafe wegen Untreue eingebracht hat.

Nun hat die Inspektionsleiterin eine Vorteilsannahme in Form von Freibier gewittert und Ermittlungen angestoßen. Die waren kurz, ihr Ergebnis liegt bereits beim Staatsanwalt. Wo das Fass jetzt steht, ist offen. Landrat Olaf von Löwis, der nun auch von der Lokalzeitung vernommen wurde, zeigt sich von all dem "maßlos enttäuscht". Er will vom Fass bis vor drei Wochen nichts gewusst und dann gleich angeordnet haben, "dass das Bier sofort entfernt wird". Das sei dann "leider mit etwas Verzögerung" geschehen. Womöglich ja seidlweise, und aus so kleinen Gläsern dauert das halt. Aber schlecht wäre es nicht geworden.

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SZ vom 11.02.2021/van
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