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Miesbach:Comeback von Ex-Landrat Kreidl wühlt die CSU auf

Fischbachau: Landrat JAKOB KREIDL spricht dem CSU-OV

Jakob Kreidl musste sich 2014 aus der Politik zurückziehen. Eine Geburtstagsfeier und eine Doktorarbeit waren ihm zum Verhängnis geworden.

(Foto: Johannes Simon)
  • Im Jahr 2014 ist Jakob Kreidl über die Sponsoring-Affäre um sein Geburtstagsfest gestürzt.
  • Bereits zuvor war herausgekommen, dass der damalige CSU-Landrat von Miesbach bei seiner Dissertation abgeschrieben hatte und tief in die Verwandtenaffäre der Landtags-CSU verwickelt war.
  • Nun könnte der 64-Jährige in die Kommunalpolitik zurückkehren.

Lange war es ruhig um den Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU), auch seine Partei schien sich nach den Skandalen um den prominenten Kommunalpolitiker im Oberland wieder einigermaßen stabilisiert zu haben. Das könnte nun vorbei sein.

Kreidl, der bis zu seinem tiefen Sturz über die Sponsoring-Affäre um sein 116 000 Euro teures Geburtstagsfest im Jahr 2014 auch Vorsitzender des Landkreistags war, könnte schon bald wieder in die Kommunalpolitik zurückkehren - als Nachrücker in den Miesbacher Kreistag. Zwar lässt der 64-jährige CSU-Mann alle Anfragen dazu unbeantwortet, seine Ehefrau verweist darauf, "dass wir im Urlaub sind". Aber in der Region gehen viele davon aus, dass er das Mandat annehmen wird. "Schon weil er es als Chance für seine Rehabilitierung ansehen wird", wie ein Beobachter sagt, der nicht mit Namen genannt werden will.

Am Sonntag ist nach schwerer Krankheit Bernhard Rohnbogner, ein langjähriges Mitglied der CSU-Fraktion im Miesbacher Kreistag, gestorben. Erster Nachrücker auf der CSU-Liste für das Gremium ist ein Mitarbeiter des Landratsamtes. Er dürfte das Mandat nur annehmen, wenn er dafür seinen Posten in der Kreisbehörde aufgibt. Das tut er nicht. Daher fällt das Mandat an den zweiten Nachrücker auf der CSU-Liste: Der ist der Ex-Landrat Kreidl.

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Nach den Regularien ist es alleine Kreidls Sache, ob er in die Kommunalpolitik zurückkehrt oder nicht. Weder die CSU noch der Miesbacher Kreistag haben ein Mitspracherecht. "Es ist das urdemokratische Recht von Kreidl, selbst zu beschließen, ob er das Mandat annimmt", sagt Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne), der den CSU-Mann bei der Kommunalwahl 2014 abgelöst hat. "Eine andere Frage ist, ob Kreidl klug beraten wäre, wenn er das täte."

Wohl kaum ein prominenter Kommunalpolitiker in Bayern dürfte in so viele Affären verstrickt gewesen sein wie Kreidl. So kam im März 2013 heraus, dass er seine Dissertation größtenteils von anderen wissenschaftlichen Arbeiten abgeschrieben hatte. Dazu war Kreidl auch tief in die Verwandtenaffäre der Landtags-CSU verwickelt, in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter hatte er jahrelang seine Ehefrau als Mitarbeiterin beschäftigt.

Das Fass zum Überlaufen brachte die 116 000 Euro teure Feier seines 60. Geburtstag: Kreidl hatte sie sich zum allergrößten Teil von der Miesbacher Sparkasse und dem Landkreis finanzieren lassen. Kurz vor der Kommunalwahl 2014 ließ Parteichef Horst Seehofer ihn deshalb fallen. Kreidl erklärte, dass er selbst dann auf das Amt als Landrat verzichten werde, sollte er wiedergewählt werden. Noch heute ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn.

Nun also steht Kreidls politische Rückkehr im Raum. Aber so wie sich der Ex-Landrat nicht äußert, so verschlossen reagiert die Miesbacher CSU. "Wir sagen dazu nichts", erklärt der CSU-Kreischef und Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan, "schon aus Pietätsgründen unserem verstorbenen Parteifreund gegenüber." Auch der Chef der Kreistags-CSU und Kreuther Bürgermeister, Josef Bierschneider, der dem Toten persönlich und politisch ebenfalls sehr verbunden ist, verweigert jede Stellungnahme.

Intern rechnen freilich etliche mit Kreidls Rückkehr. "Denn er ist ja nach wie vor fest davon überzeugt, dass er sich nichts Gravierendes hat zuschulden kommen lassen, sondern Opfer von Intrigen geworden ist", sagt einer, der Kreidl gut kennt. Andere hoffen derweil darauf, dass der Ex-Landrat Einsicht zeigt und auf das Mandat verzichtet. "Andernfalls würden nur seine ganzen Affären wieder hochkochen", sagt ein CSU-Bürgermeister. "Damit würde er nicht nur sich und seine Familie wieder massiv belasten, sondern auch die Partei."

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