Merkwürdiges Verhalten Was die bayerischen Kühe durchdrehen lässt

Diese drei Kühe in Egenhofen sind - im Gegensatz zu vielen anderen bayerischen - ganz entspannt.

(Foto: Johannes Simon)

Rinder versinken im Schlamm, fallen in Löcher und müssen aus Seen gerettet werden. Was macht die Kühe in Bayern verrückt? Die weltpolitische Lage, impliziert eine Überlieferung.

Kolumne von Johann Osel

Früher, als noch kein Wetteransager die Regenwahrscheinlichkeit prozentgenau vorherzusagen vermochte, kam der Kuh eine maßgebliche Rolle zu. Die Fresslust und mehr noch das Verhalten der Viecher gelten als verlässliche Indikatoren für das Wetter.

Eine ruhige Herde, die erpicht grast, gediegen springt und abends ruhig zum Stall geht? Sonne! Kühe, die schon morgens quengelig wirken und noch beim Heimgehen fressen? Regen! Tiere, die ganz hektisch schnaufen, sich partout nicht hinlegen, allzu unruhig sind, sich gegen den Wind drehen? Gewitter und Sturm! Und Kühe, die vollkommen verrückt werden, Schabernack treiben und gar Presseschlagzeilen auslösen? Da muss wohl wirklich Ungemach in der Luft liegen! Vielleicht in der Weltpolitik, ein transatlantischer Handelskrieg sogar, in der Bundespolitik, ein Koalitionszerwürfnis womöglich, in der Landespolitik, der Verlust der einst festbetonierten absoluten Mehrheit einer Staatspartei?

Anders lässt es sich ja kaum erklären, was Bayerns Kühe in jüngster Zeit so zustande gebracht haben. Im Allgäu musste Kuh Regina aus einem sechs Meter tiefen Loch gerettet werden, mit Bagger, Seilwinde und Schlingen. Aus dem Schliersee holten Wasserwacht und Feuerwehr eine Kuh - 300 Meter vom Ufer entfernt, so weit war sie hinausgeschwommen. Im Kreis Aichach-Friedberg ist eine Kuh im Schlamm versunken, war nur mit Hilfe einer Drohne aufzuspüren. Bei Vilsbiburg sind Kühe auf eine Ortsverbindungsstraße ausgebüxt und vor der Polizei dann noch in ein Waldstück geflüchtet. Unruhige Kühe fand man auf Bundesstraßen in Pähl bei Weilheim und Sachsenkam bei Bad Tölz. Alles aktuelle Meldungen. Noch gut in Erinnerung ist die Kuh, die sich vor drei Wochen bei Oberaudorf auf ein Baugerüst verirrte. Böse Omen!

Friedlich sind derzeit nur die Kühe in Gottfrieding bei Dingolfing. Über den dortigen Kuh-Kreisverkehr wurde in dieser Kolumne bereits mehrmals und aus triftigen Gründen berichtet. Zur Fußball-WM hat man jetzt in der Mitte des Kreisels ein sechstes Tier platziert, schwarz-rot-golden angemalt und auf den Namen "Jogi" getauft. Dass die Gottfriedinger Kühe ruhig bleiben, liegt daran, dass sie aus Plastik sind. Aber vielleicht ist zumindest das in stürmischen Zeiten ein gutes Vorzeichen - für unsere Nationalmannschaft.

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