Prozessauftakt in Memmingen:Ehefrau soll Mann aus Habgier getötet haben

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Am Dienstag beginnt der Prozess gegen eine 34-jährige Angeklagte, die sich bislang nicht zum Tatvorwurf geäußert hat. (Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa)

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Angeklagte die Lebensversicherungen kassieren wollte und deshalb absichtlich ein Feuer legte, in dem ihr Mann ums Leben kam.

Von Florian Fuchs, Memmingen

Zunächst war es ein Brand mit tragischem Ausgang: Ein Mann kam ums Leben bei dem Feuer, das am 6. Mai vergangenen Jahres in einer Wohnung in Memmingen ausgebrochen war. Der Mann hinterließ eine Ehefrau und Kinder, die Trauer bei der inzwischen 34-Jährigen hielt sich aber offenbar in Grenzen, zumindest liegt das nahe, glaubt man den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Die Strafverfolger sind überzeugt, dass die Ehefrau den Brand absichtlich gelegt hat, um ihren Mann zu töten und sich so selbst zu bereichern, unter anderem durch Auszahlung diverser Lebensversicherungen. Am Dienstag startet der Prozess vor dem Landgericht Memmingen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Mord aus Habgier vor.

Um neun Uhr beginnt der Prozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichts, Sitzungssaal 132. Es ist ein umfangreicher Indizienprozess mit zahlreichen Prozesstagen bis in die letzte Woche des August hinein, in dem Dolmetscher für vier Sprachen benötigt werden. Aktuell sind 75 Zeugen und sieben Sachverständige geladen. Dass es ein zufälliges Feuer war, dass die Witwe ehrlich trauerte, das zogen die Brandermittler der Kriminalpolizei damals aufgrund der Spurenlage in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses schnell in Zweifel.

Neben der inzwischen 34 Jahre alten Ehefrau geriet auch deren Bruder ins Visier der Fahnder, dieser Verdachte erhärtete sich jedoch nicht. Stattdessen ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass die Angeklagte schon längere Zeit geplant hatte, ihren Mann zu töten, und dabei offenbar verschiedene Möglichkeiten durchgespielt haben soll, bis sie im Mai vergangenen Jahres tatsächlich zur Tat geschritten sein soll. Unter einem Vorwand soll sie ihrem Mann Schlafmittel verabreicht haben, weshalb er wegdöste und auch nicht mehr aufwachte, als er in einem brennenden Zimmer lag.

Laut Ermittlungen soll die Frau mehrere Gegenstände angezündet haben, bevor sie die Wohnung und das gesamte Anwesen verließ und ihren Ehemann sowie die übrigen Bewohner des Mehrfamilienhauses ihrem Schicksal überließ. Es entwickelte sich ein Glimmbrand, wodurch das Opfer infolge einer Rauchgasvergiftung starb. Die verständigte Feuerwehr holte den Mann noch aus dem Zimmer, in dem er lag, die Ärzte im Krankenhaus konnten ihm aber nicht mehr helfen.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Mord aus Habgier vor, demnach soll sie ihren Mann heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln getötet haben, um eine andere Straftat zu ermöglichen. Auf ihren Mann liefen offenbar einige Lebensversicherungen mit hohem Wert, die sie nach seinem Tod abgreifen wollte, indem sie das Feuer als Unfall darstellte.

Die 34-Jährige, sie sich in Untersuchungshaft befindet, hat bislang keine Angaben zum Tatvorwurf gemacht. Insofern hat das Landgericht über den ganzen Sommer hinweg 23 Verhandlungstermine angesetzt, um den Tatvorwurf aufzuarbeiten. Im Falle einer Verurteilung droht der Frau lebenslange Haft.

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