Flughafen Memmingen:16-Jährige brutal getötet - Angeklagte schweigen vor Gericht

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Flughafen Memmingen: Eine Jugendliche (links) und ein Erwachsener (rechts) stehen zum Prozessbeginn im Gerichtssaal des Landgerichtes Memmingen in der Anklagebank. In der Mitte der Vater der jugendlichen Angeklagten. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gemeinsam eine 16-Jährige getötet zu haben.

Eine Jugendliche (links) und ein Erwachsener (rechts) stehen zum Prozessbeginn im Gerichtssaal des Landgerichtes Memmingen in der Anklagebank. In der Mitte der Vater der jugendlichen Angeklagten. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gemeinsam eine 16-Jährige getötet zu haben.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Ein Erwachsener und eine Jugendliche sollen das Opfer im Allgäu mit Drogen in die Falle gelockt und mit einem Messer ermordet haben. Es gibt keine Tatzeugen, auch das Motiv ist unklar.

Von Florian Fuchs, Memmingen

Warum musste die 16-Jährige sterben? Es ist vor allem diese Frage, die seit November vergangenen Jahres im Allgäu rund um Memmingen viele Menschen bewegt. Eine damals 15-Jährige und ein 25-Jähriger sollen die Schülerin in der Nähe des Allgäu Airports in die Falle gelockt, unter Drogen gesetzt, mit einer Glasflasche niedergestreckt sowie mit zahlreichen Messerstichen getötet haben. Die Angeklagten und das Opfer kannten sich, so viel ist klar.

Beim Prozessauftakt am Montag wollten der inzwischen 26-Jährige und die inzwischen 16-Jährige allerdings nichts sagen, die Beweisaufnahme startet Mitte September. Offenbar haben sie sich aber in Vernehmungen bei der Polizei zum Motiv eingelassen.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als gemeinschaftlichen Mord, vieles ist außergewöhnlich an dem Fall. So kommt es selten vor, dass ein Mordprozess vor der Jugendkammer eines Landgerichts öffentlich ist. Da der Angeklagte jedoch volljährig war, kann die Öffentlichkeit nur bei Bedarf und für Teile der Verhandlung ausgeschlossen werden. Der 26-jährige Maurer und die 16-Jährige, die zuletzt eine Ausbildung zur zahnarztmedizinischen Fachangestellten machte, wären offenbar froh, müssten sie keine Zuschauer ertragen: Bei der kurzen Sitzung am Montagvormittag hielt sich der Angeklagte einen Aktenordner vors Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Seiner mutmaßlichen Komplizin genügte ein Blatt Papier, hinter dem nur ihre blonden Strähnen hervor lugten. Neben ihr hatte ihr Vater Platz genommen, der sie im Prozess begleiten möchte.

Die Angreifer sollen dem Opfer eine Kapsel mit der Partydroge MDMA verabreicht haben

Der Mann und die Jugendliche sollen sich am 14. November gegen 17.30 Uhr mit dem Opfer verabredet haben, südlich des Flughafens im Bereich von Flugzeughangars, die früher militärisch genutzt wurden. Die beiden Angeklagten kamen mit dem Auto, die 16-Jährige mit dem Fahrrad. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Täter ihrem Opfer eine Kapsel gegeben haben, die sie als Vitaminpille anpriesen. Tatsächlich befand sich in der Gelatinekapsel MDMA, eine vor allem unter Jugendlichen verbreitete Partydroge.

Laut Anklage schlug die Angeklagte ihr dann eine Wodkaflasche auf den Kopf. Sie ging zu Boden und lag auf dem Bauch. Der 25-Jährige setzte sich auf sie, fixierte sie und stach mit einem Butterflymesser zu, laut Anklage sechsmal und wuchtig in den Rücken sowie in den seitlichen Rumpf. Das Opfer starb nach wenigen Minuten durch Lungenversagen, eine zweifache Verletzung des Zwerchfells sowie infolge der MDMA-Intoxikation. Die Angeklagten sollen den Tatort gegen 19 Uhr mit dem Auto verlassen haben.

"Schwierig ist, dass es keinen Tatzeugen gibt"

Eine Sonderkommission der Polizei bearbeitete den Fall, inzwischen haben sich mehrere Tausend Seiten Ermittlungsakten angehäuft. "Schwierig ist, dass es keinen Tatzeugen gibt", sagt der Pressesprecher und Vizepräsident des Landgerichts Memmingen, Jürgen Brinkmann. 93 Zeugen und acht Sachverständige sind deshalb geladen, das Gericht hat bis zur geplanten Urteilsverkündung am 8. Dezember 31 Verhandlungstage angesetzt.

Der Richter wird versuchen müssen, die Umstände der Tat durch Zeugenbefragungen aufzuhellen. Auch, um die zahlreichen Gerüchte wieder einzufangen , die seit der Tat in Memmingen kursieren - etwa dass die Angeklagten bei der Tat selbst unter Einfluss von Drogen standen. Zu den Einlassungen der Angeklagten bei der Polizei gab es am Montag weder vonseiten des Gerichts noch von den Verteidigern Auskünfte. Die Ermittler sollen nach der Beschlagnahmung der Handys auch umfangreich Chatprotokolle gesichert haben.

Der 26-Jährige muss im Falle einer Verurteilung mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten ein argloses und wehrloses Mädchen heimtückisch getötet haben. Für die heute 16 Jahre alte Angeklagte gilt Jugendstrafrecht, das Höchstmaß bei einer Freiheitsstrafe beträgt demnach zehn Jahre.

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