Ausfischen in MemmingenFischerInnen und KönigInnen

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Bis vergangenes Jahr durften nur Männer in den Memminger Stadtbach steigen, um die Tiere herauszuholen.
Bis vergangenes Jahr durften nur Männer in den Memminger Stadtbach steigen, um die Tiere herauszuholen.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim Fischertag in Memmingen dürfen dieses Jahr erstmals auch Frauen den Bach ausfischen. Das Interesse jedoch hält sich in Grenzen.

Glosse von Florian Fuchs

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Das Ausfischen des Stadtbachs in Memmingen ist ein großes Event. Weniger für die Fische, dafür umso mehr für die Fischer und jährlich Zehntausende Zuschauer, die das Spektakel begleiten. Im Juli ist es wieder so weit, und der Vorsitzende des Fischertagsvereins hat via Memminger Zeitung einige Neuerungen angekündigt: Erstmals wird abends eine Musikgruppe auftreten, die Welthits auf Schwäbisch spielt. Die Krönung des Fischerkönigs, der die größte Forelle aus dem Wasser geholt hat, wird nach hinten verschoben, des größeren Spannungsbogens wegen.

Die größte aller Neuerungen fällt allerdings ein wenig kleiner aus als erwartet. Christiane Renz aus Memmingen hat vergangenes Jahr in einem langwierigen Verfahren das Recht erstritten, dass auch Frauen am Ausfischen teilnehmen dürfen, was der Verein bislang aus historischen Gründen ablehnte. Nur hat nun offenbar keine Frau Lust aufs Ausfischen - alleine Renz hat sich angemeldet.

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Die Wahrung einer jahrhundertelangen Tradition hatte der Fischertagsverein ausgerufen, als er gegen das Ansinnen der Klägerin zu Felde zog, plötzlich auch Frauen fürs Ausfischen zuzulassen. Zwei Gerichtsinstanzen wollten dieser Argumentation nicht folgen, von einem Präzedenzurteil für die Gleichberechtigung sprach Renz' Anwältin nach dem finalen Sieg. Frauen war es bislang vorbehalten, mit Kübeln neben dem Stadtbach zu stehen und die Fische aus den Keschern der Männer in Empfang zu nehmen.

Den Rekord hält noch immer "Werner I." aus dem Jahre 1975, genannt "der Schwiegersohn": Seine Forelle wog 4750 Gramm. Es geht auch kleiner, Fischerkönig 2018 beispielsweise war "Jürgen IV., der Waschbär" mit einem vergleichsweise bescheidenen Fang von 1780 Gramm. Nun ist aus dem Sieg der Gleichberechtigung eher ein Sieg für die Gleichberechtigung von Christiane Renz geworden, sie kann es aber nun natürlich noch einmal allen Männern zeigen: Wer den größten Fisch aus dem Wasser holt, wird auch diesmal wieder gekrönt, abends, vor den schwäbischen Welthits.

Sollte es "Christiane I." werden, müssen die Geschichtsbücher in Memmingen doppelt umgeschrieben werden. Freunde des Genderns würden sich freuen: Es muss dann nicht mehr nur FischerInnen heißen, was bislang ja unmöglich war. Sondern auch KönigInnen. Und dazu braucht es nicht einmal einen Prozess durch die Instanzen.

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