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Memmingen:Es geht wirtschaftlich aufwärts am Allgäu Airport

Allgäu Airport

Das Geschäft mit Billigflugreisen boomt jetzt auch am Allgäu Airport, den mehrere kommunale Investoren seit zehn Jahren betreiben.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Jahrelang schrieb der Flughafen am Memmingerberg rote Zahlen, nun stabilisiert sich die wirtschaftliche Lage.
  • In diesem Jahr sind erstmals mehr als eine Million Passagiere abgefertigt worden.
  • Vor allem die Billigflieger bringen Passagiere, und die Nische Osteuropa rechnet sich zudem.

14.15 Uhr Vilnius, 15 Uhr Belgrad, 15.20 Uhr Kiew/Zhuliany - die Starts am Memminger Flughafen sind zwar noch längst nicht so dicht getaktet wie an den beiden deutlich größeren bayerischen Flughäfen in Nürnberg und München. Doch es geht wirtschaftlich aufwärts am Memmingerberg, wo einst das Jagdbombergeschwader 34 "Allgäu" und auch eine Staffel der U.S. Air Force mit Atomwaffen stationiert waren.

Seit zehn Jahren wird der Flughafen zivil genutzt, heuer sind erstmals mehr als eine Million Passagiere in der Picasso-Halle, einem zum Terminal umgebauten ehemaligen Wartungshangar, abgefertigt worden. Nach einigen heftigen Turbulenzen in den vergangenen Jahren stabilisiert sich die wirtschaftliche Situation des Allgäu Airports. Nicht zuletzt, weil sich mehrere kreisfreie Städte und Landkreise im November mit 5,9 Millionen Euro an einem Gewerbepark am Flughafen beteiligt haben. Damit kann die Flughafen-Gesellschaft bis zum Jahresende ihre Bankschulden komplett tilgen.

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Es herrscht Trubel an einem Novembernachmittag im Terminal. An den Tischen vor dem Imbiss-Stand ist kein Platz mehr frei, die Schlange am Security-Check-In reißt nicht ab. Im Sekundentakt scannen die Sicherheitsleute die Tickets der Passagiere, die von Memmingen aus mit den Billigfluggesellschaften Ryanair, Wizz-Air und Pobeda vor allem nach Osteuropa fliegen.

Innerdeutsche Verbindungen gibt es nicht mehr vom Allgäu aus. Diese haben sich als unrentabel erwiesen. Die Nische Osteuropa indes rechnet sich, weshalb der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen Memmingen GmbH, Thilo Butzbach, nach Jahren beständiger Verluste nun von schwarzen Zahlen spricht und hofft, dass den 76 Gesellschaftern des Flughafens "in naher Zukunft vielleicht sogar einmal eine Dividende" ausgezahlt werden kann.

"Konstant im Steigflug bleiben" - diese Richtung hat kürzlich der Geschäftsführer der Allgäu Airport GmbH & Co. KG, Ralf Schmid, für die nächsten Jahre ausgegeben. Er kann auch durchaus optimistisch sein: Die EU-Kommission hat in diesem Jahr eine Zwölf-Millionen-Euro-Förderung durch den Freistaat genehmigt. Damit kann von 2018 an die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter verbreitert und dann auch in ihrer gesamten Länge von 2981 Meter genutzt werden.

Der Ausbau kostet 17 Millionen Euro

Ist auch die neue Befeuerungsanlage installiert, wird der Flughafen Memmingen ein vollwertiger Verkehrsflughafen. Bislang dürfen auf der schmalen Piste Flugzeuge nur bei ausreichender Sicht starten und landen. Herrscht etwa dichter Nebel, müssen die Piloten auf größere Flughäfen wie Stuttgart oder München ausweichen. Der Ausbau des Allgäu Airports kostet insgesamt 17 Millionen Euro - ohne den Zuschuss des Freistaats wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen.

Doch auch das Engagement der Städte Memmingen, Kempten und Kaufbeuren sowie der Kreise Oberallgäu, Unterallgäu, Ostallgäu, Lindau und Neu-Ulm verschafft den Flughafenbetreibern Luft. Die Städte und Kreise haben sich mit 55 Prozent an 21 Hektar Gewerbeflächen im Norden und Süden des Flughafens beteiligt und dafür 5,9 Millionen Euro gezahlt.

Die Beteiligung war nicht unumstritten in den Gremien der Gebietskörperschaften. Der Kreis Neu-Ulm zum Beispiel zahlte 176 000 Euro für 1,63 Prozent der Anteile am Gewerbepark des Flughafens. Selbst dieser Betrag erschien einigen Kreisräten als zu hoch.

Konkurrenz zwischen Memmingen und Friedrichshafen

Seitens der SPD wurde angezweifelt, dass die Region Neu-Ulm ein großer Profiteur des Memminger Flughafens ist. Die Entwicklung gehe mehr Richtung Stuttgart als ins Allgäu, hieß es. Die Grünen kritisierten, dass mit der Beteiligung außerhalb des Landkreises Wirtschaftsförderung betrieben werde. Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) betonte unterdessen, wie wichtig die regionale Zusammenarbeit sei und meinte, dass auch der Kreis Neu-Ulm einmal auf Partner angewiesen sein könnte. Zum Beispiel beim Ausbau des Schienenverkehrs.

Noch deutlichere Kritik kommt vom Verein "Bürger gegen Fluglärm" in Memmingen. Bei der Jahresversammlung sagte der stellvertretende Vorsitzende Norbert Rau, sowohl beim Zuschuss des Freistaats zum Ausbau des Airports wie auch beim Engagement der Städte und Kreise im Gewerbepark handle es sich um "wettbewerbsverzerrende Beihilfen". Der Memminger Flughafen erhalte damit einen unrechtmäßigen Vorteil gegenüber dem Airport in Friedrichshafen. Kritiker des Ausbaus am Memmingerberg weisen seit Jahren darauf hin, dass sich die Flughäfen Memmingen und Friedrichshafen langfristig gegenseitig kannibalisieren könnten.

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