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Mehrwertsteuer:Erfolg ohne Telefon und Zimmerservice

Steuergeschenke? Nicht nötig. Dieter Müller, Chef der Motel-One-Gruppe und Hotelier des Jahres, kann auch so in der Krise investieren.

Ministerpräsident Horst Seehofer nimmt Krach in der Union in Kauf, um die Hoteliers glücklich zu machen. Er hat ihnen im Wahlkampf versprochen, die Mehrwertsteuer für Übernachtungen von 19 auf sieben Prozent zu senken. 900 Millionen Euro dürfte das kosten. Die Süddeutsche Zeitung sprach mit Dieter Müller, 55. Der Gründer der Motel-One-Hotelgruppe aus München ist auch ohne Steuergeschenk so erfolgreich mit seinen Billighotels, dass er zum Hotelier des Jahres gekürt wurde.

Der Motel-One-Gruppe geht es trotz Krise gut: Die Kette konzentriert sich auf das Wesentliche - Übernachtung und Frühstück.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Sie haben 25 Hotels in den vergangenen neun Jahren eröffnet, 14 weitere sind geplant. Investieren geht offenbar auch ohne großzügiges Steuergeschenk vom Bund.

Dieter Müller: Ja, natürlich. Man muss nur eine gute Idee haben und sie konsequent umsetzen. Wenn das Konzept stimmig ist und Erfolg da ist, dann kann man auch investieren.

SZ: Wenn es auch so geht, warum ist Ihre Branche so versessen auf den niedrigeren Mehrwertsteuersatz?

Müller: Die Mehrzahl der EU-Länder hat bereits reduzierte Mehrwertsteuersätze für ihre Hotels eingeführt. Es geht darum, unsere Betriebe wettbewerbsfähig zu machen. Wenn Sie sich Hotels in Österreich anschauen, dann hatten die die Möglichkeit zu investieren. Unsere Hoteliers waren dazu kaum in der Lage. Und es liegt natürlich auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dass es keine deutsche Hotel-Gesellschaft geschafft hat, international wirklich erfolgreich zu sein.

SZ: Sie machen trotz aller Untergangsszenarien gute Geschäfte in der Krise - wie geht das?

Müller: Wir sind tatsächlich bisher gut durch die Krise gekommen. Motel One konzentriert sich auf das Wesentliche - Übernachtung und Frühstück. Und das zu attraktiven Preisen. Die Auslastung liegt stabil bei etwa 70 Prozent. Wir machen Gewinne.

SZ: Was unterscheidet Ihr Konzept von anderen?

Müller: Bei uns stehen keine Konferenzräume, es gibt keinen Zimmerservice, auch kein Telefon in den Zimmern. Dafür sind unsere Häuser in zentraler Lage, und die Einrichtung ist hochwertig. Wir haben Flachbildschirme und von Designern entworfene Möbel. Das Konzept kommt an. Wer eine Sterne-Küche möchte, geht woanders hin. Deshalb funktioniert Motel One.

SZ: So notleidend kann die Branche also doch noch nicht sein.

Müller: Die Branche ist sehr gespalten. Die Hotels, die im Tagungs- und Seminargeschäft tätig sind, die hat es schon sehr erwischt. Da belaufen sich die Umsatzeinbrüche auf 17 Prozent und mehr. Die, die mit ihren Angeboten im Mainstream schwimmen und wenig investiert haben, leiden. Andere kommen besser durch die Krise.

SZ: Greift es nicht zu kurz, einzig und allein den Mehrwertsteuersatz dafür verantwortlich zu machen? Der frühere Wirtschaftsminister Erwin Huber hatte beklagt, in den Herbergen im Freistaat herrsche der Charme der Siebziger. Hat Ihre Branche nicht auch Trends verschlafen?

Müller: Die Mehrwertsteuer spielt schon eine wichtige Rolle. Das Steuergefälle zum Ausland ist in der Tat nicht fair. Wenn die Ertragslage schlechter ist, kann auch weniger investiert werden. Natürlich gibt es auch Hotels, die einfach die Zeit eingeholt hat, weil die Betreiber in die Jahre gekommen sind und nicht mehr den Geschmack der Gäste treffen.

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