Medizinstudium in Nürnberg Dozenten von der FH

Ein strukturelles Problem in Nürnberg aber ist, dass es dort bisher keine sogenannte Vorklinik gibt, also die Bereiche, die beim deutschen Medizinstudium vor dem Physikum unterrichtet werden: etwa Anatomie, Physiologie und Naturwissenschaften. Es gibt auch in Hamburg einen privaten Medizinstudiengang. Dort absolvieren die Studenten die vorklinischen Semester an einer Universität in Budapest.

Die PMU behilft sich in Nürnberg anders. Sie gründet Filialabteilungen der Salzburger Uni. So sollen für Anatomie und Physiologie Sparten mit je einem neu berufenen Universitätsprofessor und vier Angestellten geschaffen werden. Für den Unterricht in Biochemie, Physik oder Biologie engagiert die PMU "fachlich ausgewiesene" Lehrkräfte von der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm, die früher als Fachhochschule (FH) firmierte. Sie deckten etwa sieben Prozent des Curriculums ab.

Für "klinische Bezüge" in diesen Veranstaltungen ziehe man Ärzte aus dem Stadtklinikum hinzu. Diese Konstruktion empört die Unis besonders. "Die Vorklinik ist die Forschungsstütze, da werden die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt, das kann man nicht von einer FH übernehmen", kritisiert Hildebrandt vom Fakultätentag.

Und was sagt das bayerische Wissenschaftsministerium? Es hält größtmögliche Distanz. Es sei wichtig, deutlich zu machen, dass das "Sitzland der Hochschule", also Österreich, die "Verantwortung für die Erfüllung von Qualitätsstandards trägt", erklärt ein Sprecher. Ob der Studiengang gleichwertig mit der Ärzteausbildung an bayerischen Unis sei, das untersuche man deshalb nicht.

Man könne "ausschließlich formal prüfen, ob die Hochschule im Sitzland staatlich anerkannt ist und ob die in Bayern angebotenen Studiengänge von der staatlichen Anerkennung erfasst sind". Das ist der Fall. Deshalb habe die PMU einen Anspruch auf den nötigen Feststellungsbescheid durch die Staatsregierung, man werde ihn "in nächster Zeit" erteilen.

Nur ein "Berufsdoktorat"

Nun ist Österreich kein Land, das für schlecht ausgebildete Ärzte berüchtigt wäre. Und die 250 Absolventen, die die PMU nach eigenen Angaben bisher hatte, haben sich geräuschlos in die Berufswelt eingefügt. Ist die Aufregung der deutschen Unis künstlich? Wollen sie Konkurrenz wegbeißen? Beileibe nicht, sagt Schüttler, der Medizin-Dekan der Uni Erlangen-Nürnberg, "wir stellen uns gern dem Wettbewerb". Aber man störe sich daran, dass "auf deutschem Boden eine Ausbildung stattfindet, die sich außerhalb der Kontrolle der deutschen Behörden bewegt".

Doch das ist ein Stück gelebte EU. Ob die Zulassung des Studiengangs tatsächlich gegen EU-Recht verstößt, wie der Fakultätentag sagt, ließe sich wohl nur mit einem langwierigen Vertragsverletzungsverfahren gegen die Regierung in Wien klären. Das aber ist nicht in Sicht.

Und so werden die Absolventen der PMU in Nürnberg mit ihrem österreichischen Abschluss auch in Deutschland tätig sein können. Beim Doktortitel aber müssen sie aufpassen: Dabei handelt es sich nur um ein sogenanntes "Berufsdoktorat". Als "Dr. med. univ." dürfen die Ärzte ihn in Deutschland führen, aber auch nur als solchen, erklärt das bayerische Wissenschaftsministerium. "Eine privilegierte Gradführung als ,Dr.' ist nicht möglich."