Medizin Klinik wirbt für Krebs-Behandlung - mit toten Patienten

Das Medias-Klinikum in Oberbayern lockt verzweifelte Krebskranke aus aller Welt an. Es wirbt damit, hoffnungslosen Fällen geholfen zu haben. Doch viele der angeblich geheilten Patienten sind längst gestorben.

Von Christina Berndt

Endlich mal eine gute Geschichte über den Krebs. So las es sich wenigstens. "Michaela hat ihr Leben zurück", stand im Februar 2013 in der Münchner Abendzeitung. Die damals 37-jährige Briefträgerin aus der Nähe von Altötting hatte Brustkrebs im Endstadium. Ihre Ärzte sagten, sie könnten nichts mehr für sie tun. Doch Professor Karl Aigner vom privaten Medias-Klinikum im oberbayerischen Burghausen behandelte Michaela K. trotzdem mit einer speziellen Chemotherapie. Tatsächlich schrumpfte ihr Tumor, und die Abendzeitung empörte sich nun ("Krebs geheilt! Jetzt soll sie zahlen"), dass K.s Krankenkasse die Rechnung in Höhe von 40 000 Euro nicht vollständig übernahm.

Nur: Der Erfolg hielt nicht lange an. Ein gutes halbes Jahr später war Michaela K. tot. Dennoch wird auf einer Website des Medias-Klinikums bis heute mit dem AZ-Artikel geworben. Die Werbung mit Toten kommt bei der Klinik häufig vor, wie Recherchen des NDR, der norwegischen Zeitung Aftenposten und der Süddeutschen Zeitung zeigen. Zahlreiche Patienten, die auf der Facebook-Seite der Klinik oder auf verlinkten Artikeln auf der Website als "geheilt", "gerettet" oder "vom Krebs befreit" gefeiert werden, waren schon bald nach ihrer angeblich erfolgreichen Behandlung gestorben. Manche der Berichte wurden nach den Anfragen des Rechercheteams mittlerweile entfernt.

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Wer die euphorischen Berichte liest und nichts vom baldigen Ableben der Geretteten weiß, glaubt, der Professor könnte Sterbenskranke heilen. Zuhauf kommen deshalb Patienten aus aller Welt nach Burghausen. Hunderte hoffen jedes Jahr, so dem Tod zu entkommen.

Die Artikel, die vor allem in Frauenzeitschriften und Boulevardblättern erschienen sind, stammen zum großen Teil von Linda Amon, einer früheren Bild-Reporterin. Sie sehen aus wie journalistische Beiträge, doch per E-Mail teilt Linda Amon mit, sie erhalte ihr Honorar von der Klinik. Weshalb sie Heilungsgeschichten von Toten publiziert, will sie nicht beantworten.

Klinikchef Aigner behauptet auf Anfrage zunächst, Amon sei "freie Journalistin", später räumt er ein, dass sie "ein monatliches Pauschalhonorar für die Darstellung der Klinik nach außen" bekommt. Was sich wie unabhängige Berichterstattung über geglückte Krebsbehandlungen liest, ist verkappte Werbung, die das unglückliche Ende der Patienten verschweigt und eine Therapie bejubelt, die höchst fragwürdig ist.

In seiner Klinik setzt Aigner auf die "Regionale Chemotherapie", kurz RCT. Das Konzept klingt verheißungsvoll: Dabei werde "das Tumormittel nicht in den ganzen Körper geleitet, sondern nur in den Tumor", erklärte er wiederholt. "Dadurch gibt es kaum Nebenwirkungen, keine Organschäden." Der größte Vorteil sei, dass man das "Zytostatikum wesentlich höher dosieren und dadurch die Wirkung enorm erhöhen" könne.