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Medien:Schulkampf der Landkreise

Altötting und Mühldorf führen mithilfe der Zeitungen eine Fehde um die FOS/BOS

Von der Staatlichen Fachoberschule und Beruflichen Oberschule Altötting bis zu ihrer Außenstelle in Mühldorf sind es keine zwölf Kilometer Luftlinie. Dazwischen liegen aber nicht nur Wiesen, Felder und der Inn, sondern auch die Grenze zwischen den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Die Landratsämter liegen sogar noch ein bisschen näher beisammen als die Schulstandorte, doch wenn es um die FOS/BOS geht, dann könnten ihre jeweiligen Positionen kaum weiter voneinander entfernt sein. Beide Kreise und ihre Landräte streiten seit längerer Zeit über das richtige Ausbaukonzept, publizistisch fleißig flankiert von den jeweiligen Heimatzeitungen Alt-Neuöttinger Anzeiger und Mühldorfer Anzeiger. In einer Art Stellvertreterprozess hat der Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) vor dem Landgericht Traunstein gegen den Mühldorfer Anzeiger geklagt und am Donnerstag einen Sieg davongetragen.

Das Landgericht verpflichtet in seinem Urteil die Zeitung zur Richtigstellung der Aussage, der Altöttinger Landrat Schneider habe "hinter dem Rücken des zuständigen Landkreises" Mühldorf in Mühldorf ein Schulgebäude gekauft. Gekauft habe das Gebäude aber nicht er als Landrat, sondern der Landkreis Altötting, ließ Schneider seinen Anwalt bei der mündlichen Verhandlung Mitte November ins Feld führen. Außerdem sei der Mühldorfer Landratskollege Georg Huber (CSU) vorher von der Kaufabsicht informiert gewesen. Als zuständigen Landkreis sieht Schneider ohnehin seinen Landkreis Altötting an, denn dieser ist der Träger der FOS/BOS, was auch für deren Außenstelle im Nachbarlandkreis gilt. Und als Träger entscheide man eben auch über den Ausbau der Schule, heißt es aus Altötting. Für Mühldorf heißt das, dass Altötting insgesamt fünf Millionen Euro in eine Erweiterung am jetzigen Standort der seit dem Jahr 2003 bestehenden Außenstelle stecken will.

Die Mühldorfer Seite hingegen hätte die FOS/BOS viel lieber in einem Neubau neben der eigenen neuen Berufsschule in Mühldorf angesiedelt. Außerdem hatten sie als neuen Träger der FOS/BOS einen gemeinsamen Zweckverband beider Landkreise vorgeschlagen, um mehr Einfluss auf die Entscheidungen zu bekommen. Die jahrelangen Mühldorfer Bemühungen, von der Staatsregierung eine ganz eigene, von der Altöttinger Schule unabhängige FOS/BOS zu bekommen, waren zuvor gescheitert. Im Februar hatte das Kultusministerium eine eigene Schule für Mühldorf ausdrücklich abgelehnt

Der Mühldorfer Landrat Huber wollte sich zu dem Thema am Donnerstag nicht äußern. Ihm war auch eine Aussage über seinen Informationsstand vor dem Grundstücksgeschäft erspart geblieben, da sich das Gericht sein Urteil gegen den Mühldorfer Anzeiger aufgrund der Unterlagen gebildet hat, die die Altöttinger Seite vorgelegt hatte. Huber ist seit 2008 Landrat in Mühldorf, Schneider wurde 2010 Landrat im Nachbarkreis Altötting. Das Verhältnis der beiden Parteifreunde lässt sich näherungsweise so beschreiben, dass sie sicherlich nicht jeden Abend miteinander ein Bier trinken wollten, selbst wenn sie müssten. Wer ihnen die Frage stellt, ob Altötting und Mühldorf unbedingt zwei Landkreise sein müssen, macht sich auf beiden Seiten keine Freunde. Den Lokalpatriotismus bedienen auch die jeweiligen Zeitungen. Der Mühldorfer Anzeiger gehört zum Oberbayerischen Volksblatt (OVB) in Rosenheim, das eng mit dem Münchner Merkur verflochten ist. OVB-Redaktionsleiter Willi Börsch wollte am Donnerstag noch keine Auskunft darüber geben, ob der Verlag das Urteil akzeptiert. Der Alt-Neuöttinger Anzeiger gehört zum Verlagshaus der Passauer Neuen Presse.