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Medien:Gesichter aus dem Rottal

Oft ist es umgekehrt - doch ein Online-Magazin gibt es nun auch analog

Das Rottal ist ein Landstrich in Niederbayern, in dem sich alles ballt, das Gute und das Schöne, aber auch das Abseitige und Brutale. Die Journalistin Eva Hörhammer fasziniert genau diese Ambivalenz. Seit Jahren erkundet sie diese Gegend, und dabei hat sie eines gelernt: "Es gibt hier so viele interessante Menschen, aber oft leben sie ganz versteckt." Gerade diesen Rottalern hat Eva Hörhammer vor drei Jahren ein Online-Projekt gewidmet. Es nennt sich "Rottaler Gsichter" und enthält Porträts von Leuten und Unternehmen (rottalergsichter.de). Nun ist dieses Magazin erstmals und unter gleichem Titel auch in Papierform erschienen.

Immer mehr analoge Magazine erscheinen heutzutage nur noch in digitaler Form. Auf die Frage, warum sie den umgekehrten Weg geht, antwortet Eva Hörhammer: "Grad deswegen!" Sie glaube an das Analoge, sagt sie. Es erlaube mehr Tiefe, und es biete jene Entschleunigung, die sich viele Menschen wünschten. Aus finanzieller Sicht ist dieser Schritt gewagt. Zumal sie es ablehnt, in großem Umfang Werbung zu drucken. "Ich denke, Gutes verbreitet sich auf natürliche Weise." Wenn im Magazin allerdings Unternehmen vorgestellt werden, "dann bezahlen sie auch dafür" - nicht jedoch die Menschen, die privat porträtiert oder interviewt werden. Für die Inhalte des 4,90 Euro teuren Heftes ist Eva Hörhammer allein verantwortlich, gestalterisch steht ihr die Grafikerin Jana Schönhals zur Seite. Eva Hörhammer wohnt mit ihrer Familie in Bayerbach und ist selber Rottalerin. Sie ist Soziologin und wurde bei der Passauer Neuen Presse zur Redakteurin ausgebildet. "Ich wollte mich schon immer selbständig machen", sagt sie. Das erste analoge Heft enthält ein Porträt des Freigeists Huey Colbinger. Sechs Rottaler stellen ihre Lieblingsplätze vor, und nicht zuletzt bringt die 94-jährige Elisabeth Bachmaier der Leserschaft ihr langes Leben im Rottal mit historischen Fotos und Geschichten nahe.