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Medaillen:Bayern zeichnet Lebensretter aus

Hochwasser in Bayern

Unter anderem wurden Retter ausgezeichnet, die in die Flut von Simbach tauchten.

(Foto: Walter Geiring/dpa)
  • Bayern zeichnet 65 Menschen mit der Bayerischen Rettungsmedaille aus, weil sie ihr eigenes Leben riskiert haben, um anderen zu helfen.
  • 64 weitere Helfer erhalten für ihr beherztes Eingreifen die Christophorus-Medaille. Der Jüngste wählte mit vier Jahren die richtige Notrufnummer.

Günter Brehmer und seine Frau Irene haben immer noch die Handwerker im Haus, um all die Schäden zu beseitigen, die das verheerende Hochwasser im niederbayerischen Markt Triftern hinterlassen hat. Sieben Menschen ließen dort Anfang Juni 2016 ihr Leben, als der sonst harmlos dahinfließende Altbach die Marktgemeinde innerhalb kürzester Zeit überflutete.

Vermutlich wären mehr Tote zu beklagen, hätten nicht Günter Brehmer und der syrische Asylbewerber Abdulrahman Alsakhni ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben gehandelt. Dafür werden beide an diesem Mittwoch mit weiteren 63 Lebensrettern aus ganz Bayern von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Bayerischen Rettungsmedaille geehrt. Diese bekommen nur Menschen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens andere aus höchster Not gerettet haben.

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Günter Brehmer, der mit seiner Frau im Trifterner Ortsteil Anzenkirchen lebt, hatte an diesem Schicksalstag im Juni 2016 bemerkt, wie seine Nachbarn - ein älteres Ehepaar - in den Fluten um ihr Leben kämpften. "Der Nachbar hatte sich an eine Laterne geklammert, seine Frau hielt sich an einem Kleiderlüfter fest", erinnert sich der damals 64-Jährige. Brehmer hatte zum Glück ein Seil im Haus, mit dem er sich absichern konnte.

Beherzt sprang er ins Wasser, schwamm durch die reißende Strömung zur Nachbarin hinüber, konnte sie retten. Dann ließen seine Kräfte nach, er hatte zu viel Wasser geschluckt. Das war der Augenblick, in dem der zufällig anwesende Asylbewerber Abdulrahman Alsakhni einsprang. "Er hat mir später erzählt, dass nur wenige Syrer schwimmen können. Er hingegen war früher als Mechaniker auf einen großen Frachtschiff tätig - und deshalb konnte er schwimmen."

Alsakhni kämpfte sich zu dem alten Mann am Laternenpfahl durch, band ihm ein Seil um den Leib. "Und dann haben wir den Nachbarn zusammen rausgezogen", sagt Brehmer. Beide wissen, dass ihr Einsatz anders hätte ausgehen können. "Durch die Fluten sind ganze Bäume an uns vorbeigeschossen. Hätten die uns am Kopf getroffen, wären wir vermutlich untergegangen", sagt Brehmer. Doch er und der Mann aus Syrien kamen wie durch ein Wunder unbeschadet davon.

Einige Retter hatten nicht so viel Glück, so etwa die Altenpflegerin Heike Buch aus Creußen im Landkreis Bayreuth und ihr Kollege Jens-Uwe Mielsch aus Bayreuth. Beide hatten am 21. Januar 2016 während des Nachtdienstes in einer Senioreneinrichtung plötzlich bemerkt, dass es in einem der Zimmer brannte. Trotz der starken Rauchentwicklung holten sie die Heimbewohner aus dem Haus. 102 Menschen kamen dadurch ohne körperliche Schäden davon.

Nicht so Heike Buch und Jens-Uwe Mielsch selbst. Die mittlerweile 46-Jährige erlitt beim Herauswuchten der alten Menschen einen Bandscheibenvorfall, ihr Kollege verlor durch die Raucheinwirkung weitgehend seine Stimme. Heike Buch erinnert sich nur ungern an diese Brandnacht: "Wir haben die Leute teilweise auf ihren Matratzen in den Schnee rausgezogen und später auch wieder reingetragen", sagt sie. Andere hätten ihnen dabei nur zugeschaut. "Wenn die Verleihung der Medaille rum ist, ist das für mich beendet", sagt Heike Buch.

Es sind indes nicht nur die Retter, bei denen der Einsatz Spuren hinterlässt. Gabi Birndorfer aus Hitzenau, Gemeinde Kirchdorf in Niederbayern, hat heute noch ein mulmiges Gefühl, wenn sie an die Rettungsaktion ihres Mannes und ihres Sohnes denkt. Thomas und Patrick Birndorfer haben im vergangenen Juni während der großen Flutkatastrophe in Simbach einen zehnjährigen Buben aus den Wassermassen gerettet - nicht einfach so: Sie mussten dazu in ein umflutetes Gebäude eindringen, wo sich der Bub in eine fensterlose Toilette geflüchtet hatte.

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"Zunächst wussten beide gar nicht, ob der Bub noch lebt. Dann entdeckten sie ihn in der Toilette, wo er, auf dem Waschbecken stehend, zum Glück eine Luftblase gefunden hatte." Mit dem Brecheisen konnten sich seine Retter schließlich gegen den Wasserdruck stemmen und die Tür der Toilette aufhebeln. Damit das gelang, mussten beide Männer zuvor durch einen Türstock tauchen. "Wenn man in der Situation steckt, denkt man darüber gar nicht nach", sagt Thomas Birndorfer.

Wenig Zeit zum Nachdenken blieb auch dem Polizisten Daniel Martin aus dem schwäbischen Obermaiselstein. Er war am 21. März 2014 in einem Regionalzug unterwegs, als er Augenzeuge wurde, wie einem Bundespolizisten die Dienstwaffe entwendet wurde. Martin, der selbst gar nicht im Dienst war, griff ein. Im Laufe des Geschehens richtete schließlich einer der beiden Täter die Waffe auf ihn, hatte aber nicht mit der Treffsicherheit des Polizisten gerechnet. Martin machte mit einem einzigen Schuss aus seiner Dienstwaffe die Pistole des Täters unbrauchbar.