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Maskenaffäre um CSU-Mann Sauter:Fragwürdige Spende nach Millionen-Provision

CSU Vorstandssitzung Bundesinnenminister Horst Seehofer unterhält sich mit Alfred Sauter Der Parte

Der CSU-Landtagsabgeordnete Alfred Sauter mit Parteikollege und Bundesinnenminister Horst Seehofer. (Archivbild von 2018)

(Foto: Alexander Pohl/imago)

Die Affäre um den CSU-Politiker Sauter und eine Millionen-Provision bei Geschäften mit Corona-Schutzmasken wird immer mysteriöser. Hat er einen Teil des Geldes an eine Bürgerstiftung überweisen lassen, um vermeintlich sauber dazustehen?

Von Andreas Glas und Klaus Ott

Alfred Sauter gilt als clever und gerissen. Als einer, der sich, wie man landläufig so sagt, "nichts scheißt". Der keine Angst hat, vor nichts und niemandem. Auch nicht in seiner Partei, der CSU. Vor zwei Wochen allerdings dürfte selbst der in vielen Machtkämpfen erprobte Landtagsabgeordnete und Parteifunktionär Sauter Fracksausen bekommen haben. Nach Sauters schwäbischem CSU-Kollegen Georg Nüßlein war am 5. März, einem Freitag, auch der CDU-Politiker Niklas Löbel mit dubiosen Deals aufgeflogen. Die Bundestagsabgeordneten Nüßlein und Löbel hatten Geschäfte mit Corona-Schutzmasken vermittelt und daran jeweils mehrere 100 000 Euro verdient.

Die Verantwortlichen an den Parteispitzen tobten, darunter Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Wenn Abgeordnete für das Vermitteln von Corona-Schutzausrüstung die Hand aufhielten, werde das "entschieden verurteilt", schimpfte Dobrindt. Andere wurden noch deutlicher: zutiefst unanständig, Bereicherung, und so fort. Damit hatte plötzlich auch Sauter ein Problem.

Seiner Familie gehört die schwäbische Firma Pecom, und dort waren Anfang des Jahres 1,2 Millionen Euro eingegangen. Als Provision für Maskengeschäfte einer hessischen Firma mit drei Ministerien in Bayern und im Bund. 1,2 Millionen Euro, das war mehr, als Nüßlein und Löbel zusammen kassiert hatten. Bei denen sollen es insgesamt gut 900 000 Euro gewesen. Die Sauter-Firma wäre somit ein Spitzenverdiener bei den Maskendeals gewesen.

Wenige Tage später war kein Maskengeld auf dem Konto der Pecom, die damals nur wenigen Eingeweihten als Sauter-Firma bekannt war. Nach außen hin trat ein gewisser Manfred Krautkrämer für die Pecom auf, ein enger Vertrauter und zugleich Parteifreund von CSU-Mann Sauter. Krautkrämer ist Schatzmeister des von Sauter geleiteten CSU-Kreisverbands Günzburg und kümmert sich außer um Parteifinanzen auch um die Geldflüsse der Pecom. Die gehört Sauters Kindern, für die Krautkrämer als Treuhänder agiert. Er gilt in der schwäbischen CSU als Alfred Sauters "kleiner Diener".

Um das erste Märzwochenende herum waren Krautkrämers Dienste besonders gefragt. Sauters Gefolgsmann meldete sich bei der gemeinnützigen Bürgerstiftung Günzburg und kündigte eine größere Spende an. So erinnert sich Heinrich Lindenmayr, der Vorsitzende der Stiftung. Am 8. März war das Geld dann auch schon da, 470 000 Euro. Es soll sich um jenen Betrag handeln, der von den 1,2 Millionen Euro Maskendeal-Provision nach Abzug sämtlicher Steuern übrig geblieben sei. Die Bürgerstiftung fördert Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, hilft Behinderten und tut auch sonst viel Gutes. Vorsitzender des Stiftungsrats ist ein gewisser Manfred Krautkrämer.

Jetzt erklärt Sauter, es sei "von Anfang an beschlossen" gewesen, das verbleibende Geld zu spenden. Also alles gut, alles sauber? Kein Anlass für Partei und Volk, sich nach der Razzia wegen des Verdachts auf Bestechung und Bestechlichkeit (den Sauter zurückweist) an diesem Mittwoch weiter aufzuregen? Wohl kaum. Die Umstände des Maskendeals führen vielmehr zu einem neuen Verdacht, der nicht auf der juristischen, sondern auf der politischen Ebene spielt, und zu dem sich Sauter nicht äußert. Zu dem Verdacht, er habe die Spendenabsicht nachträglich erfunden, um sich aus der Affäre zu stehlen. Dazu passt, dass die vermeintlich großzügige Zuwendung erst auf den Weg gebracht wurde, als die Abgeordneten Nüßlein und Löbel aufgeflogen waren.

Begonnen hatte das Maskengeschäft schon viel früher. Fünf Leute hatten sich eingeschaltet, um Deutschland mit Corona-Schutzmasken aus China zu versorgen. Sauter, sein Gefolgsmann Krautkrämer, ein Ex-Industriemanager und ein früherer CSU-Nachwuchsmann aus Schwaben und noch jemand. Die Vermittler halfen einem hessischen Unternehmen, chinesische Masken an drei Ministerien zu verkaufen. Als das Geschäft gelaufen war, fiel für alle etwas ab. Darunter die 1,2 Millionen Euro Provision für Pecom, die Firma von Sauters Kindern. Die Sauter-Firma stellte im November 2020 eine entsprechende Rechnung, das Geld ging im Januar 2021 ein.

Der Millionenbetrag kam allerdings nicht, was ja am einfachsten gewesen wäre, direkt von dem hessischen Maskenlieferunternehmen. Sondern über eine Firma, die in der Karibik ansässig ist, und über eine Bank in Liechtenstein. Ganz schön viel Aufwand und ganz schön viele Umwege für eine spätere Spende. Die Sauter-Firma Pecom soll ihre gute Absicht im Dezember 2020 schriftlich festgehalten und in der ersten Februarhälfte 2021 beschlossen und aufgeschrieben haben, dass das Geld an die Bürgerstiftung Günzburg gehen soll. Auch daran erscheint vieles merkwürdig. Der Pecom- und Sauter-Mann Krautkrämer hat die Bürgerstiftung nach deren Angaben erst viel später, um das erste März-Wochenende herum, über die gute Tat informiert. Nach dem Bekanntwerden der Maskenaffären bei CSU und CDU. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Sauter und die Pecom überlegt hätten, die hessische Maskenlieferfirma direkt und unbürokratisch spenden zu lassen.

Der Umweg über eine in der Karibik ansässige Firma und Liechtenstein erscheint unnötig, wenn von Anfang an alles gespendet werden sollte. Und noch etwas macht stutzig. Bürgerstiftungs-Chef Lindenmayr erinnert sich, dass Manfred Krautkrämer ihm das Geld mit dem Hinweis angekündigt habe, "der Spender wolle nicht genannt werden". Lindenmayr lässt nun von der Stiftungsaufsicht der Regierung von Schwaben prüfen, was zu tun sei. "Die Bürgerstiftung soll auf keinen Fall irgendeinen Schaden davon nehmen", sagt Lindenmayr. Von der Familie Sauter hat er nach eigenen Angaben in der ganzen Sache damals nichts gehört.

© SZ/ghe/fie/infu
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