Wer 48 Millionen Euro, abzüglich Steuern, gut und sicher anlegen will, der hat natürlich viel zu tun. Was sind da schon zwei mal 9000 Euro, die irgendwo herumliegen. Irgendwie verständlich also, dass die Münchner PR-Unternehmerin Andrea Tandler und ihr Partner Darius N. lange gebraucht haben, um längst überflüssig gewordene Corona-Hilfen des Staates an denselben zurückzuzahlen. Oder doch nicht verständlich?
Im Mai 2020 hatte sich Andrea Tandler, Tochter des einstigen Ministers und CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, für ihre kleine PR-Agentur Pfennigturm 9000 Euro Staatshilfe geben lassen. Da war die Andrea Tandler mit von ihr vermittelten Maskendeals aber gerade Millionärin geworden. Als die Süddeutsche Zeitung vor zwei Tagen darüber berichtete, erklärte ein Sprecher von Andrea Tandler, die 9000 Euro seien "vor geraumer Zeit" zurückgezahlt worden. Den genauen Zeitpunkt nannte der Sprecher nicht.

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Inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse zu diesem Fall. Demnach erfolgte die Rückzahlung erst im Mai 2021. Außerdem hatte Darius N., mit dem sich Andrea Tandler 48 Millionen Euro Masken-Provision teilt, nach Beginn der Pandemie ebenfalls eine staatliche Corona-Hilfe beantragt. Auch er bekam 9000 Euro, den Höchstsatz für Kleinunternehmen. Und auch er hat das Staatsgeld erst im Mai 2021 zurückgezahlt. N. hatte das Café Pinguin im Münchner Stadtviertel Haidhausen betrieben, das ebenso wie Tandlers PR-Agentur infolge der Pandemie große Probleme bekam.
Geldfluss an "Little Penguin"
Der Mai 2021 als Rückzahlungszeitpunkt der beiden Staatshilfen ist pikant. Denn da hatten Tandler und ihr Partner N. ihren bis dahin unbekannten Masken-Reichtum nicht länger verbergen können. Ende April 2021 schickte die SZ Andrea Tandler eine umfassende Anfrage zu den von ihr vermittelten Maskendeals der Schweizer Handelsfirma Emix mit drei Gesundheitsministerien in Deutschland. Die Anfrage enthielt den Hinweis, die dafür geflossenen Provisionen müssten um die 40 Millionen Euro betragen haben. Ob das zutreffe.
Im Mai 2021 berichtete die SZ dann über Erkenntnisse, wonach die Provisionen für Andrea Tandler und deren Partner N. bis zu rund 50 Millionen Euro betragen hatten ( später stellte sich heraus, dass es 48,4 Millionen Euro gewesen waren). Das Geld war an die von den beiden gegründete Firma Little Penguin (Zwergpinguin) gegangen. Außerdem berichtete die SZ im Mai 2021, dass Darius N. als Betreiber des Cafés Pinguin einen Antrag auf Staatshilfe gestellt hatte.
War es also Zufall, dass Andrea Tandler und ihr Partner just im selben Monat, im Mai 2021, die Staatshilfen zurückzahlten? Genau in jenem Monat, als die zuständigen Behörden, das Wirtschaftsreferat der Stadt München und das bayerische Wirtschaftsministerium, den Millionärsstatus der beiden Zwergpinguin-Partner erkennen mussten. Hatten Andrea Tandler und Daruis N. gar vorgehabt, die jeweils 9000 Euro zu behalten, trotz ihrer horrenden Masken-Provisionen? Ein Sprecher der beiden Zwergpinguin-Partner erklärte am Donnerstag auf Anfrage: Frau T. und Herr N. hätten "die Corona-Hilfen im Mai 2021 unaufgefordert zurückgezahlt". Ein zeitlicher Zusammenhang mit den damaligen Berichten in der SZ sei "rein zufällig".
18,15 Millionen Euro für jeden
In den Richtlinien des bayerischen Wirtschaftsministeriums für die Corona-Hilfen heißt es: Sollten sich nach der Auszahlung der staatlichen Corona-Soforthilfe "wesentliche Veränderungen" ergeben haben, so müsse der zuviel erhaltene Betrag zurückerstattet werden. Im Jahr 2020, in dem nach und nach die 48,3 Millionen Euro Maskenprovisionen bei der Little Penguin GmbH eingegangen waren, hatten sich die beiden Zwergpinguin-Partner intensiv um ihren neuen Reichtum gekümmert. Dafür war Zeit genug. Ausweislich interner Unterlagen der Little Penguin GmbH zahlte die Firma vorab 12,1 Millionen Steuern und überwies das restliche Geld zu gleichen Teilen, jeweils 18,15 Millionen Euro, an die Gesellschaften ATX und DNX.
Die beiden Gesellschaften sind Eigentümer der Little Penguin GmbH und gehören, wie die Namen ATX und DNX schon sagen, Andrea Tandler und Darius N. Die ATX und die DNX wiederum legten das viele Geld gut an. In Aktien, in Goldbarren, in Rentenpapieren, bei Banken, und in Immobilien. Den internen Unterlagen zufolge hat Darius N. von seinem neuen und plötzlichen Reichtum auch "Einlagen in das Geschäftskonto des Café Pinguin" bestritten.

