Der Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er die Diskussion beim Bachmann-Preis über sich ergehen lassen musste. Martin Beyer, Schriftsteller aus Bamberg, wurde im Sommer vor der Pandemie von der Jury in Klagenfurt arg in die Mangel genommen, nachdem er einen Text vorgelesen hatte, der die Hinrichtung der Geschwister Scholl aus der Sicht eines von ihm erfundenen Henkersgehilfen schildert. Das umstrittene Kapitel ist Teil seines Romans "Und ich war da", der kurz darauf herauskam. Nun, zweieinhalb Jahre später, ist Beyers Nachfolgewerk erschienen: "Tante Helene und das Buch der Kreise" (Ullstein) ist eine sich über mehrere Generationen erstreckende Familiengeschichte über eine außergewöhnliche Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer künstlerischen Ausdruckskraft. Eine gute Gelegenheit, mit dem Germanisten, Jahrgang 1976, über den literarischen Umgang mit historischen Figuren zu sprechen. Denn auch hinter Helene verbirgt sich das wahre Leben.
Schriftsteller Martin Beyer"Vielleicht bin ich auch unbelehrbar"
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Für seinen Umgang mit historischen Ereignissen wurde Schriftsteller Martin Beyer zuletzt stark kritisiert. Ein Gespräch über seine Verarbeitung der Vorwürfe, die Protagonistin seines neuen Romans und die Lehren aus "Me too".
Von Bernhard Blöchl, Bamberg
