Bayerische Regierung Von den neuesten Umfragen gibt Söder sich unbeeindruckt

Die Landtagswahl am 14. Oktober wird nach Söders Ansicht erst in den letzten Tagen entschieden. "Ich halte alles für möglich - alles", sagte er am Freitag. Wie schnell das Pendel umschlagen könne, habe man vor einem Jahr bei der Bundestagwahl gesehen. "Entscheidend ist, dass man langen Atem hat und gute Nerven. Und das hat man nur, wenn man von seiner Arbeit überzeugt ist." Er habe in 100 Tagen bereits 300 Termine absolviert und 40 000 Kilometer zurückgelegt. "Physischer Einsatz und massive Präsenz in der Bevölkerung" seien für ihn wesentliche Bestandteile im Wahlkampf.

Obwohl die CSU in Umfragen derzeit nur knapp über 40 Prozent liegt - das wäre ein historischer Tiefstand bei einer Landtagswahl - habe er keine Angst, sagte Söder: "Wenn man vor einem Fußballspiel primär die Frage diskutiert, was passiert, wenn es verloren geht, dann wird es verloren." Ein Großteil der Bürger sei "noch nicht ganz schlüssig sind, ob wir zu dem stehen, was wir sagen". Deswegen sei es wichtig, die Zuwanderungsdebatte jetzt zu führen und auch zu entscheiden, anstatt sie wie vor der Bundestagswahl wieder zu vertagen. "Der Zeitgeist ist nicht links: Weder in Deutschland, noch in Europa", sagte Söder: "Volksparteien können nur bestehen, wenn sie entscheidungsfähiger werden, und nicht in alten Riten denken."

Die Opposition stellte Söder ein vernichtendes Zeugnis für seine ersten 100 Regierungstage aus: "Außer Hochglanzfotos und vielen Sprechblasen steht nicht viel Handfestes drin in Markus Söders Bilanz. Ich sehe den Fehlstart eines Ministerpräsidenten, der in der Geschichte Bayerns seinesgleichen sucht", sagte Uli Grötsch, der Generalsekretär der Bayern-SPD. Sorge bereite ihm vor allem Söders Rechtsruck. "Dieser Ministerpräsident braucht Kontrolle und Mäßigung", forderte Grötsch. Aus Angst vor dem Verlust der absoluten Mehrheit fahre Söder "einen immer nationalistischeren Kurs wie die Anti-Europäer in Italien, Polen, Ungarn und Österreich". Die Landtagswahl werde daher zur Richtungsentscheidung über Europa.

Auch Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, kritisierte Söder scharf. In den ersten 100 Tagen habe sich bestätigt: "Söder neigt mehr zu Show und Größenwahn als zu gesundem Menschenverstand. Bayerisches Weltraumprogramm und Kavallerie sind ihm wichtiger als kostenfreie Kinderbetreuung. Man kann ihn nicht alleine regieren lassen."

Die Landtagsgrünen werfen Söder vor, er habe den Freistaat schon jetzt tief gespalten. "Markus Söder ist kein Zusammenbringer, sondern ein Ausgrenzer", sagte Fraktionschef Ludwig Hartmann. Söder spiele Menschen gegeneinander aus - "Einheimische gegen Zugereiste, Konservative gegen Progressive, Hartz-IV-Empfänger gegen Flüchtlinge." Wegen seiner Aussichten bei der Landtagswahl treibe Söder die CSU im Bund bewusst in den Koalitionsbruch, europapolitisch fahre Söder einen "Crashkurs", sagte Fraktionschefin Katharina Schulze: "Wer geschichtsvergessen das Ende des Multilateralismus ausruft, gefährdet unsere stabile Nachkriegsordnung. Das ist ein Bärendienst an Bayern und Deutschland."

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(Mit Material von dpa.)