Markus Söder, hoch veranlagtes Gesangstalent aus Nürnberg, möchte das so wohl nie wieder erleben müssen. Tag der Franken, das Hochamt des gelebten Bratwurstpatriotismus, es kommt zur Aufführung: das Frankenlied, die lokale Landeshymne, bei der das Auge nur einem verkappten Altbayern trocken bleiben kann: Valeri, valera, valeri, valera, iiiins Laaaaaaand der Fraaaaaanken faaaaaahren!
Glutäugige Hingabe, dafür steht Franken immer, in diesem Moment aber wird es: ekstatisch. Und dann diese Schmach für jeden Bub aus Nürnberg-Schweinau. Main und Wein und sogar das Grabfeld werden hymnisch besungen, alles Unterfranken. Der Gottesgarten auch und Staffelstein und Bamberg, alles Oberfranken.

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Und dann noch? Die Kaiserburg nicht und der Große Brombachsee samt Riesenwels nicht und nicht einmal: Nürnberg-Schweinau. Kein bisschen Mittelfranken, nirgends. Jedes Mal ein Gefühlsdebakel, jedes Mal Erniedrigung, jedes Mal ein Stich. Oh, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Oder, wie Söder es sagt: „Mittelfranken kommt da zu kurz.“
So ist ja aber ein Markus Söder nicht. An so einer Stelle bleibt man nicht stehen, sich mit zweifach betäubendem Valeri-und-valera ins emotionale Nirwana summend. Und so handelt der Bezirk Mittelfranken jetzt, fahndet – selbstredend einer eigenen Idee folgend – nach einer zusätzlichen Strophe, die diesen verloren gegangen Landstrich endlich gebührend feiert, um diese neu gedichtete Strophe dann beim Tag der Franken keinem Geringeren als dem Landesvater in größtmöglicher Demut darzubieten.
Der wiederum zuvor, wie es sich einfach gehört, höchstselbst darüber befunden hat, was exakt dort zur Aufführung kommen wird. Schweinau? Ja, warum denn eigentlich nicht.
Gut, jetzt ist dieses kariös mittelfrankenfreie Frankenlied ein historisches Werk, gedichtet 1859. Und an der Stelle tastet sich nun der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner zu einem bescheidenden Einwurf vor: Der Dichter Victor von Scheffel, schreibt er der SZ, „beschreibt im Frankenlied ganz deutlich, was er vom Staffelberg aus“ sehe: Teile nämlich von Ober- und Unterfranken.
Lovely Mittelfranken? Sieht man von dort aus definitiv nicht.
Meißner ist wie Söder in der CSU, war mal Landtagsabgeordneter, ist dann aber, wie er selbst sagt, „ins ernsthafte Fach“ gewechselt: Landrat. Liest man, was er über den mittelfränkischen Lückenschmerz zu sagen hat, darf man davon ausgehen, dass er mit diesem Posten zufrieden ist und sich in der CSU gewissermaßen für ausbefördert hält.

Jedenfalls zeige er, Meißner, sich „verständnislos für das Ansinnen, eine eigene mittelfränkische Strophe zu dichten“. Hymnen verändere man nicht: „Wir Oberfranken kommen ja auch nicht auf die Idee, die Bayern-Hymne um eine weitere Strophe zu ergänzen.“
Und so hat Meißner – Landrat dort, wo Scheffel sein Lied dichtete – die Frankenfahne am Staffelberg gerade auf Halbmast gesetzt und mit Trauerflor versehen. Seine schriftliche Intervention schließt mit dem Satz: „Einen besonderen Geschmack bekommt das Ganze, wenn der Ministerpräsident, der ja bekanntlich Mittelfranke ist, der Jury für die neue mittelfränkische Strophe vorsteht.“

