Machtkampf in der CSU Söder hat gesiegt, aber nicht gewonnen

Rücksichtslos und skrupellos hat Markus Söder sich im Machtkampf um die CSU-Spitzenkandidatur durchgesetzt. Doch ob er gewinnt, zeigt sich erst in zehn Monaten - bei der Landtagswahl in Bayern.

Kommentar von Heribert Prantl

Markus Söder hat gesiegt, gewonnen hat er nicht - noch lange nicht. Das zeigt sich erst in zehn Monaten, bei der Landtagwahl in Bayern. Gesiegt hat nun zunächst einmal die Rücksichtslosigkeit, die Söder an den Tag gelegt hat. Gesiegt hat die Ruchlosigkeit, die ihn auszeichnet. Gesiegt hat die Skrupellosigkeit, mit der Söder seit Jahren seine Pläne verfolgt hat. Diese Gaben waren hinreichend für den Sieg im Machtkampf. Ob sie ausreichen, um das Land zu regieren, ist sehr fraglich.

Rücksichtslosigkeit, Ruchlosigkeit, Skrupellosigkeit: All diese Eigenschaften gelten in der CSU nicht unbedingt als abträglich. Der Machttrieb galt der CSU stets als wunderbare Gabe. Und die Machtgetriebenheit eines Politikers hat den Christsozialen immer imponiert.

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Aber die Partei ist in einem so prekären Zustand, dass die Zweifel daran, ob Söder sie stabilisieren und befrieden kann, noch größer sind als sein Machttrieb. Die Eigenschaften, die Söder bräuchte, um die ganze Partei zu gewinnen, um alte und neue Sympathisanten der CSU zu locken und die Mehrheit der Menschen im Land für sich einzunehmen - diese Eigenschaften hat Söder nicht.

Söder ist ein Spalter. Das Versöhnen traut ihm kaum jemand zu, wahrscheinlich nicht einmal er selbst. In der CSU geht es zu wie in Edward Albees berühmtem Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". Dort zerfleischen sich die Ehepaare, in München haben das die Führungsfiguren der CSU getan. Die beiden Hinterzimmerlager der CSU haben fast alle Mittel angewandt, um sich gegenseitig vorzuführen, lächerlich zu machen und zu demütigen.

Wie nach dieser Schlacht die beiden Lagerführer - Seehofer und Söder - nun zueinander finden, miteinander arbeiten und Wahlkampf führen sollen, ist schleierhaft. Es wäre ein Wunder. Solche Wunder schafft nicht einmal der Wallfahrtsort Altötting.

Söder hat gesiegt, aber nicht gewonnen. Gewonnen hat Söder erst, wenn er den Abwärtssog der CSU beendet und umdreht. Das zeigt sich in zehn Monaten, bei der Landtagswahl in Bayern. Wenn Söder hier scheitert, wenn er die absolute Mehrheit verliert, die die CSU heute im Landtag noch hat, wenn die CSU also eine Koalitionsregierung bilden muss - dann ist Söders Zeit schon wieder vorbei.

Die denkbaren Koalitionspartner werden es sich zur Lust machen, in eine Koalition nur ohne Söder einzutreten. Und die jetzt unterlegenen Gegner Söders werden es sich zur Lust machen, seinen Kopf zu fordern. Spätestens dann wird alles aufgezählt werden, was Söder fehlt. Erstens ein inhaltliches Profil, zweitens die Gabe der Versöhnung, drittens die Kraft, die CSU wieder aufzurichten. Das Amt des Ministerpräsidenten in Bayern fordert mehr, als es eine Einladung bei "Anne Will" abverlangt.

Bellen und beißen - das kann Söder

Die CSU hat in Bayern ein Potenzial von bis zu sechzig Prozent. Genauer gesagt: Sie hatte es einmal. Die Ministerpräsidenten Goppel, Strauß und Stoiber hatten die Fähigkeit, dieses Potenzial zu aktivieren und dann hinter der CSU zu einen.

Heute ist dieses Potenzial verteilt - auf eine geschrumpfte CSU, auf FDP, AfD und Freie Wähler. Wie will ein rabaukiger CSU-Spitzenkandidat namens Söder diese Zersplitterung beenden? Fürs Erste setzt er auf Bewunderung. Er reklamiert den Satz für sich, mit dem einst Strauß angehimmelt wurde: "Ein Hund ist er scho."

Bellen und beißen - das kann Söder. Das reicht aber nicht. Er braucht eine Nase für das Land. Er braucht ein Gespür dafür, wie die Zukunft Bayerns aussehen könnte. Von diesem Gespür hat er bisher wenig gezeigt. Geld verteilen, wie er es als Finanzminister gemacht hat, ist in einem reichen Land wie Bayern keine Kunst. Dass er Gold zu Stroh dreschen kann, das weiß man. In den kommenden Monaten wird er es andersrum versuchen müssen.

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