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Machtkampf in der CSU:295 Jahre Erfahrung für Seehofers Zukunft

(Foto: Catherina Hess/dpa/dpa)
  • Horst Seehofer hat ein Beratergremium eingesetzt, das über die Zukunft der CSU befinden soll.
  • Dem Trio gehören an: die beiden CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel und Edmund Stoiber sowie Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Zusammen mit Seehofer ergibt das 295 Jahre Erfahrung.
  • Markus Söder kann von Seehofers neuer Beratertruppe eigentlich nicht allzu viel Gutes erwarten.

Die Weisen aus dem Bayernland.

(Foto: Dieter Hanitzsch)

Wer weiß, vielleicht war es ja Edmund Stoiber selber, der auf die Idee gekommen ist. Schließlich erlebt der ehemalige CSU-Chef und Ministerpräsident in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern gerade, wie eine Retrowelle zum Erfolgsmodell wird. Nach Trainer Jupp Heynckes, 72, mit seinen Assistenten Peter Hermann, 65, und Hermann Gerland,63, ist jetzt auch Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt, 75, wieder an Bord.

Auch der 76-jährige Stoiber ist plötzlich unverhofft kein "Hasbeen" mehr, kein bloßer CSU-Ehrenvorsitzender, sondern mitten drin im aktuellen Machtkampf der CSU. Als Teil eines ziemlich reifen Beratertrios soll Stoiber zusammen mit dem anderen Ehrenvorsitzenden Theo Waigel, 78, und Landtagspräsidentin Barbara Stamm, 73, an einer Lösung für das künftige Personaltableau mitwirken. Das erinnert viele in der CSU an den Fernsehvierteilerteiler "Der große Bellheim", in dem ein Oldie-Quartett eine angeschlagene Kaufhauskette rettet. Die CSU-Bellheims Waigel, Stoiber und Stamm seien zusammen mit dem 68-jährigen Seehofer 295 Jahre alt, rechnete ein CSU-Abgeordneter vor, und jetzt sollten ausgerechnet sie die Zukunft der Partei gestalten.

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Waigel und Stamm gelten als Söder-Gegner

Das Beratertrio, mit dem Seehofer den gesamten CSU-Vorstand auf seiner Sitzung am Donnerstag überraschte, ist aber nicht nur wegen seines Alters pikant, sondern vor allem wegen seiner Zusammensetzung. Denn zwei von den dreien, nämlich Waigel und Stamm, gelten als klare Gegner von Finanzminister Markus Söder, und das noch zurückhaltend ausgedrückt. Stoiber wiederum steckt gewissermaßen in einer Loyalitäts-Zwickmühle.

Er hat zwar Söder über Jahre gefördert, aber ohne Stoiber wäre Seehofer heute nicht CSU-Chef und Ministerpräsident. Stoiber hatte nach seiner Flucht aus Berlin im Jahr 2005 durchgesetzt, dass der innerhalb der Union politisch vollkommen erledigte Seehofer Minister im Kabinett Merkel wird. Und als er 2007 von seiner Partei gestürzt wurde, kämpfte Stoiber hinter den Kulissen für Seehofer als Parteichef, um das Duo Beckstein/Huber zu verhindern, vergebens. In der Vorstandssitzung am Donnerstag soll sich Stoiber voller Respekt über Seehofer geäußert und dabei vermutlich seine eigene Geschichte vor Augen gehabt haben. Auf Stoiber als aktiven Helfer kann Söder jedenfalls nicht bauen.

Und auch sonst kann der ehrgeizige Franke von Seehofers neuer Beratertruppe eigentlich nicht allzu viel Gutes erwarten. Was vor allem mit Stoiber und Waigel zusammenhängt. Hätte man vor Augen führen wollen, warum eine Ämterteilung vielleicht doch keine so gute Idee ist, hätte man kein besseres Duo finden können. Denn Stoiber und Waigel sind das lebendige Beispiel dafür, dass ein Führungstandem nicht funktioniert, wenn sich die beiden Protagonisten nicht ausstehen können und sich nicht über den Weg trauen. Also ungefähr so wie bei Seehofer und Söder.

Die Auseinandersetzungen zwischen Stoiber und Waigel sind legendär

Die Auseinandersetzungen zwischen beiden sind legendär. Sie gehen im Grunde auf die Zeit zurück, als Stoiber in seiner Rolle als Büchsenspanner von Franz Josef Strauß ständig seine Parteifreunde in Bonn piesackte, und eskalierten 1993 in einem offenen Streit um die Nachfolge von Ministerpräsident Max Streibl. Damals zog Waigel gegen Stoiber den Kürzeren, auch weil er zu lange gezaudert hatte, nach dem Amt zu greifen. Stoiber hingegen hatte damals das Terrain für sich systematisch vorbereitet, im Grunde nach der gleichen Methode, mit der heute Söder arbeitet. Auf dem Höhepunkt des Streites schrien sich beide in den Räumen der Augsburger CSU lautstark an, statt Frieden miteinander zu schließen, wie die gesamte CSU inständig gehofft hatte.

Frieden schlossen sie auch danach nie mehr und es dürfte interessant zu beobachten sein, ob sie ihre Rolle als Therapeuten von Seehofer und Söder auch zu einer Therapie ihres eigenen zerrütteten Verhältnisses nutzen. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht, denn Stoiber ist jemand, der alles schnell vergisst, was ihm an Unbill widerfahren ist, während Waigel kein einziges Detail jemals vergisst. Seine Verwundungen schmerzen ihn auch noch nach Jahren so, als seien sie ihm erst gestern zugefügt worden. Schwer vorstellbar, dass beide an einem Tisch zusammensitzen, um über die künftige Machtverteilung in der CSU zu brüten.

Falls doch, könnte Barbara Stamm mit ihrer mütterlichen Art für Ausgleich sorgen. Allerdings hat auch Stamm mit Stoiber eine alte Rechnung offen. Er hat sie 2001 im Zuge der BSE-Krise als Sozialministerin geschasst, was Stamm als so ungerecht empfunden hat, wie es auch tatsächlich war.

Schade eigentlich, dass aus dem Oldie-Trio kein Quartett geworden ist. Denn auch Alois Glück, der langjährige Chef der Landtagsfraktion, hätte aus eigenem Erleben eine Menge beitragen können, damit sich alte Kabalen nicht wiederholen. Aber den hat Seehofer offenbar vergessen.

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