Glasfasernetz Im Landkreis Cham ist man "stinksauer" auf M-Net

Es wird noch eine Weile vergehen, bis Glasfaser auch im ländlichen Raum flächendeckend verbreitet ist.

(Foto: dpa)
  • M-Net hat 2017 den Wettbewerb um die Verlegung des Glasfasernetzes in 37 Dörfern im Landkreis Cham gewonnen.
  • Allerdings ist seither kaum eine neue Leitung verlegt worden und das Projekt gefährdet.
  • Nun soll es ein Krisengespräch in Cham geben.
Von Heiner Effern

Der Landkreis Cham hat sich 2017 richtig gefreut, dass das Münchner Unternehmen M-Net den Wettbewerb für das neue Glasfasernetz in seinen Dörfern gewonnen hatte. Ein Unternehmen, das großen Kommunen in Bayern gehört, mit den Stadtwerken München (SWM) als Hauptanteilseigner. Diese Freude ist längst verflogen. Fast keine neue Leitung ist verlegt, das Projekt gefährdet und M-Net muss sich sogar gegen Insolvenzgerüchte wehren. SWM-Chef Florian Bieberbach fährt an der Spitze einer Delegation demnächst zum Krisengespräch nach Cham. Die Partner dort seien "stinksauer", sagte er am Rande einer Stadtratssitzung. Deren Vorwürfe gegen M-Net, das Projekt zuerst unterschätzt und dann in den Sand gesetzt zu haben, seien "nachvollziehbar".

Bieberbach verweist darauf, dass M-Net im vergangenen Jahr eine neue Geschäftsführung erhalten habe. Das habe auch mit den Vorfällen in Cham zu tun. Die neuen Chefs von M-Net sind nun mit Aufräumarbeiten beschäftig, das Unternehmen sei aber in keiner Weise in seiner Existenz gefährdet, erklärte ein Sprecher. "Die Gerüchte zu einer möglichen Insolvenz sind definitiv falsch. Es bestehen keine finanziellen Schwierigkeiten und es besteht keine Grundlage für derartige Spekulationen." Wer anderes behauptet, dem droht M-Net mit rechtlichen Schritten. Auch SWM-Chef Bieberbach weist einen Bericht über einen möglichen Schaden im dreistelligen Millionenbereich vehement zurück. Diese Zahlen seien "absurd", sagte er. M-Net solle weiter investieren, deshalb werden die Anteilseigner Kapital zuschießen. "Das hätten wir aber auch sonst gemacht."

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Der Telekommunikations-Anbieter M-Net ist in München ansässig und machte 2017 einen Umsatz von etwa 244 Millionen Euro. Neben den SWM gehören zu den Eigentümern regionale Versorger wie die Nürnberger N-ergie mit den Stadtwerken Nürnberg als Hauptaktionär sowie die Stadtwerke Augsburg und Erlangen. Im Angebot hat M-Net unter anderem Telefon- und Internetanschlüsse für Privat- und Geschäftskunden. In Bayern betreibt M-Net vielerorts eigene Glasfasernetze, ein solches wollte sie auch in 37 Gemeinden des Kreises Cham aufbauen.

Doch nach dem Spatenstich im Sommer 2017 lief dieses Vorhaben komplett schief. Für den Tiefbau, also das Freilegen der Gräben, engagierte die M-Net einen Subunternehmer. Schon nach den ersten Arbeiten habe es einen "ziemlichen Eklat" gegeben, sagte der Münchner Stadtwerke-Chef Bieberbach. Offenbar hätten die Trupps planlos Straßen aufgerissen, Bürgermeister hätten massiv protestiert. "Da ist alles in sich zusammengebrochen." Seither ist nicht mehr passiert, sehr zum Ärger der Menschen im Landkreis Cham. "Das Ausbauprojekt wurde bisher nicht wie geplant begonnen", erklärte ein Sprecher von Landrat Franz Löffler lapidar. Man halte an dem Ziel, "die bisher nicht oder unzureichend angeschlossenen Anwesen mit einem Glasfasernetz zu erschließen, fest". Der Landkreis müsse sich nun aber wegen des "im Raum stehenden ,Insolvenz-Szenarios' des Unternehmens ein realistisches und verlässliches Bild" verschaffen, insbesondere was die Leistungsfähigkeit und Stabilität von M-Net betreffe.

Dazu wird beim Treffen mit SWM-Chef Bieberbach und seiner Delegation Gelegenheit bestehen. Auch der will das Projekt umsetzen, doch das grundsätzliche Problem lässt sich nicht so leicht beseitigen. Tiefbau-Unternehmen für solch einen Auftrag seien in einer Hochkonjunkturphase nur schwer aufzutreiben. Nach der Trennung vom ersten Partner habe die M-Net die Arbeiten neu ausgeschrieben, aber nur sogenannte Abwehr-Angebote erhalten. Das heißt, dass Firmen sich zwar pro forma beworben hätten, aber keine Lust auf den Auftrag hätten. Um sicher zu gehen, dass sie diesen nicht bekämen, würden sie zum Beispiel das Dreifache des üblichen Preises verlangen. Auf diese Weise ist wohl die Spekulation über die Erhöhung der M-Net-Kosten um 100 Millionen Euro für das Projekt zustande gekommen.

Als sicher gilt aber auch, dass M-Net den veranschlagten Preis von 58 Millionen nicht halten können wird und die Mehrkosten tragen muss. Falls es überhaupt beim Auftrag bleibt. "Zusammen mit den beteiligten Kommunen erörtern wir, ob und mit welchen Alternativen das Ausbauziel erreicht werden kann, ohne M-Net aus den eingegangenen Verpflichtungen zu entlassen", heißt es aus dem Chamer Landratsamt.

Die Gesellschafter von M-Net veröffentlichten am Dienstagnachmittag eine Stellungnahme, in dem sie den bisher gescheiterten Bau des Glasfasernetz "bedauern". Sie verfolgten das Ziel, heißt es weiter, "eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu finden und gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden".

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