Lou Bega Der Mambo-König tanzt wieder

Millionen Menschen sangen mit, wenn Lou Bega von Monica, Erika, Rita oder Tina schwärmte: 1999 gelang dem Sänger aus München mit "Mambo No. 5" ein One-Hit-Wonder. Jetzt tritt er wieder an zum Rennen um den Sommerhit des Jahres.

Von Melanie Staudinger

Es ist Nachmittag in Berlin, die Sonne knallt vom Himmel, und im Innenhof eines Hostels am Alexanderplatz lassen sich ein paar Mit-Zwanziger gehörig volllaufen. Zwischen all dem Prosten, Grölen und Nachschubholen lässt die wahre Entspannung aber auf sich warten. Der Grund sitzt einige Meter weiter hinten, im Schatten einer Hotelbar, und gibt dort Interviews. Irgendwoher kennen die jungen Männer den Typen mit seinem pinken T-Shirt, seiner ebenso grellen Kappe und den silberschimmernden sportlichen Slip-Ons an den Füßen. Nur woher? Das will ihnen gerade nicht einfallen, weshalb sie sich recht intensiv darüber austauschen.

Das alkoholbedingt durchaus zu laut geratene Getuschel bleibt auch dem vermeintlich Unbekannten nicht verborgen. Er muss darüber lachen, denn er weiß: Würde man seinen größten Song jetzt spielen, würden sich die Rätselnden sofort an ihn erinnern. Wie es Heino nicht ohne Sonnenbrille gibt oder Udo Lindenberg nur schwer ohne seinen schwarzen Schlapphut vorstellbar ist, definiert sich Lou Bega über seinen Welthit "Mambo No. 5".

Wenn dieses Lied läuft, denkt jeder sofort an den 1,75 Meter großen, ein wenig kompakten Frauenhelden mit seinem schmalen Oberlippenbart und dem weißen Borsalino, den er auch von einem Mafiaboss gestohlen haben könnte. 14 Jahre später hat er sich äußerlich kaum verändert: kein Gramm schwerer, noch immer derselbe Oberlippenbart und eine unerschütterliche Grundlässigkeit, die er alleine schon durch sein gemütliches Flätzen im Stuhl ausdrückt.

1999 sangen Millionen Menschen mit, wenn Lou Bega von Monica, Erika, Rita oder Tina schwärmte. Aus dem Münchner Musiker David Lubega wurde über Nacht der Superstar Lou Bega, dessen "Mambo No. 5" elf Wochen lang Platz eins der deutschen Single-Charts belegte und sich millionenfach verkaufte. Er begeisterte das Publikum in Europa, in den USA, Südamerika oder Australien.

"Das ist der Unterschied zwischen meinen Songs und einem Ballermann-Hit", sagt Lou Bega heute. Mit "Mambo No. 5" könnte er die Jungs im Hostel-Innenhof genauso unterhalten wie den König von Marokko, dem er 2001 mal ein einstündiges Geburtstagsständchen vortragen durfte. Die echte Herausforderung sei es, schlichte, aber keinesfalls banale Musik zu machen, sagt Lou Bega. Damit meint er tanzbare Mitsing-Mucke, deren Texte die Wortfamilie der Fäkalausdrücke auslassen und gleichzeitig höchstphilosophische Ergüsse meiden.

Entmutigen ließ er sich nicht

Bisher allerdings ist das Lou Bega nur einmal so richtig gelungen. Seit dem Jahrtausendwechsel kam nicht mehr viel von ihm. Entmutigen ließ er sich von der Durststrecke allerdings nicht. Er ist zurück - obwohl er behaupten würde, dass er nie wirklich weg gewesen sei - und tritt wieder an zum Rennen um den Sommerhit des Jahres.

Dieses Mal versucht er es mit einer bewährten Strategie: 1999 begab er sich zurück ins Kuba der Fünfzigerjahre, ließ sich von Pérez Prados "Mambo No.5" inspirieren. Mit seinem neuen Album, das diesen Freitag erscheint, ist er nicht ganz so weit in die Vergangenheit gereist, dafür aber in seine eigene. Für "A little bit of 80s" covert Lou Bega seine Lieblingslieder aus einer Zeit, in der er in München heranwuchs. "Vamos a la playa" von Righeira sei der erste Pophit gewesen, den er bewusst wahrgenommen habe, "Smooth Operator" von Sade der erste richtig coole Love-Song. Zu Snaps "Keep it up" habe er auf seiner ersten Kinderparty getanzt. "München hat mich sehr geprägt", sagt Lou Bega.

Der Sohn einer Sizilianerin und eines Uganders verbrachte Kindheit und Jugend in der bayerischen Landeshauptstadt. In Schwabing zwischen Bonner Platz und Münchner Freiheit, um genau zu sein. Er wurde im April 1975 in der Klinik in der Maistraße geboren und besuchte die Grundschule an der Simmernstraße. David Lubega erinnert sich an Dinge, an die man sich eben so erinnert: